Freitag, 12. Juli 2019

Nicht diktiert, aber gelesen: Die Nachrufe zu Artur Brauners Tod sind ein Trauerspiel für sich



von Frank Blum


Addio Atze  -  nun hat es ihn also schließlich erwischt, irgendwann musste es ja geschehen.

Und die Kritikerschelte geht weiter, sie wollen es nicht anders: Friedeman Beyer hat keine Ahnung, Fritz Göttler hat keine Ahnung, und der ungenannte Autor der Bild macht denselben Fehler: Artur Brauner hat Die Halbstarken produziert, Bild brachte gar noch ein Szenenfoto mit Buchholz und Karin Baal. Au weia! Wie ist so etwas möglich? Die einzige Erklärung, die mir einfällt: Diese Journalisten, auch der von mir eigentlich hochgeschätzte Göttler, haben alle falsch voneinander abgeschrieben, weil es ihnen einfach zu gut geht, genau wie unseren sogenannten Filmschaffenden auf der Pro- duktionsebene. Hier wie da regiert eine Mafia aus gewohnheitsrechtlichen Geister-Planstellen, wie bei Beamten, sie machen jahrzehntelang Fehler und werden trotzdem nicht gefeuert. Der erste, bei dem alle anderen abgeschrieben haben, hat wohl Die Halbstarken mit Die Frühreifen verwechselt, das war indertat ein Atze-Film, mit dem er sich wie so oft vom Erfolg eines Vorläufers eine Scheibe abschneiden wollte.

Und das war nicht der einzige Fehler, den sich Beyer in der Welt und Göttler in der Süddeutschen leisteten, gerade der von mir bis jetzt besonders verehrte Göttler enttäuscht mich entsprechend tief. Bei den von mir gelesenen Nachrufen schnitten noch die aus dem Kölner Stadt-Anzeiger und dem besonders ausführlichen im Berliner Tagesspiegel recht gut ab, wobei der Tagesspiegel sich auch einige kritische Töne erlaubte. Anlass gab Atze genug, etwa wenn er in der Korrespondenz zu Der letzte Zug seine Produktionspartner zur Weißglut brachte, wenn er über seine Unterschrift stets "Diktiert, aber nicht gelesen" schrieb. Das ist kein Witz, ich habe die Korrespondenz personlich eingesehen.Wie löblich also der Ton des Tagesspiegel gegenüber dem Kniefall unserer Kultur- staatsministerin Grütters, die wie fast alle Politiker die politische Korrektheit mit Suppenlöffeln inha- liert hat und kundtat, Brauners Entscheidung, nach Kriegsende in Berlin zu bleiben, sei wie "ein Geschenk" an die Deutschen gewesen.

Die Wahrheit sieht anders aus. Artur Brauner hat niemals jemandem irgendetwas geschenkt. In Berlin blieb er, weil er damals dachte und zugleich geschäftlich kalkulierte: In dieser Stadt kann es nur aufwärts gehen. Er profitierte von den Fördermilliarden des Bundes, die nach West-Berlin flossen, von der deutschen Rechtssicherheit, auf der er sein Film- und vor allem sein internationales Im- mobilienimperium errichten konnte, von der Größe des deutschen Filmmarktes, der schon vor der Wiedervereinigung der größte Europas war - bis zur Abschaffung der Vermögenssteuer durch Kanzler Kohl, die Brauner wie alle Millionäre jubeln ließ. Zwischen diesen beiden Polen, der Entscheidung zum Verbleib in Deutschland bis zum Erlass der Vermögenssteuer liegt ein halbes Jahrhundert voller beruflicher Erfolge, die Brauner in anderen Ländern nicht unbedingt vergönnt gewesen wären. Und er profitierte von der Verwandtschaft des Jiddischen mit der deutschen Sprache und last not least vom Schuldkomplex der Deutschen den Juden gegenüber.

Bereits während des Krieges wurde er zweimal von einem Wehrmachtsangehörigen gerettet, was freilich in keinem der Nachrufe auch nur angedeutet wird  -  die Wehrmacht kann eben nicht einfacf etwa mit der SS in einen Topf geworfen werden, eine solche Prätorianergarde war die Wehrmacht eben nicht.
Schon Anfang September 1939 wurde Brauner in Polen zum Tode verurteilt und dann am Vorabend der Exekution von einem Wehrmachtsoffizier begnadigt, er ließ den jungen Mann laufen. Als Brauner sich später in einem der Wälder, die wohl im russischen Grenzgebiet oder dem von den Russen besetzten Ost-Polen lagen, versteckte sich Brauner zusammen mit anderen in einem Erdloch. Da wurden sie von einem deutschen Soldaten entdeckt; dieser überlegte kurz, grüßte dann und ging weiter.
Und das steht nicht im Amateurlexikon Wikipedia, sondern bei Brauner selbst, in seinen 1976 er- schienenen Memoiren. Seitdem, so schreibt er dort, war für ihn klar, dass Gut und Böse keine Frage der Nationalität sind. Was ihn indes später, als er in Deutschland hohe Steuerschulden hatte, nicht daran hinderte, die Kollektivschuldthese zu instrumentalisieren und auf besondere Rücksicht auf ihn als Juden und Holocaust-Überlebenden zu pochen.

Nun wartete ich also noch auf den Nachruf in der Zeit, verfasst vom Regisseur Dominik Graf, und die Zeit erscheint bekanntlich erst Donnerstags. Hier, um etwas versöhnlicher zu enden, fand ich beim ersten Überfliegen keine empirischen Fehler. Besonders sympathisch ist mir natürlich, dass Graf den Todesrächer von Soho dermaßen ausführlich behandelt, ist er doch wie Akasava, dem Namensgeber unserer Filmgruppe (siehe auch den nächsten Beitrag unten), von Jess Franco.

Eine ausführliche Besprechung aller mir zur Verfügung stehenden Nachrufe mit der Korrektur auch der anderen Fehler von Beyer und Göttler wird den Schlussteil in der kommenden neuen Auflage meiner Brauner-Biografie im Selbstverlag bilden, die (wenn nicht vorher das Geld ausgeht) im Herbst erscheint. Die Auflage wird klein werden, Vorbestellungen lohnen sich.





Unter der Sonne Akasavas

 Zur Etymologie eines Begriffs aus dem Wallace-Kosmos


Neulich sah ich endlich zum ersten Mal den Film Das Phantom von Soho, und ich traute meinen Ohren nicht: Als Werner Peters staunend sagt, er habe Dieter Borsche schon einmal gesehen, und zwar mit Tropenhelm, da spricht er zur neben ihm sitzenden Elisabeth Flickenschildt von "Aka- schavaland". Das "s" von Akasava spricht er also "sch" aus, aber wie auch immer, dies ist der Beweis dafür, dass sich der Autor, Edgar Wallace Junior, durchaus näher mit dem Werk seines Vaters befasste, auch insofern, als er diese vom Vater erfundene Topografie Afrikas aus dem Sanders-Zyklus ebenfalls benutzte und, sogar recht spektakulär, fortschrieb.

Es geht nämlich um eine luxuriöse Yacht, die von den Gangstern vor der Küste Afrikas, vermutlich Akasavas, versenkt wurde, um eine hohe Versicherungssumme zu kassieren  -  freilich alles Oral History, auch dieser Film war eine Atze-Produktion, die Yacht bekommt man nie zu sehen. Vor zehn Jahren schrieb ich in dieser Zeitschrift einen Artikel "Akasava - aber wo liegt es?". Damals wies ich darauf hin, das Francos Der Teufel kam aus Akasava und ebenso die bekanntlich megakritische Rezeption durch Rolf Giesen derart konfus sind, dass Franco und Giesen an manchen Stellen zur Annahme verleiten, Akasava könne auch in Südamerika liegen.

Für alle, die mit dem Stoff nicht so vertraut sind: Akasava ist für die Edgar Wallace- wie auch für die Franco-Verehrer, zumindest für einige Orthodoxe unter ihnen, zu denen ich und vielleicht auch Herr Graf gehören, heilige geweihte Erde. Es ist für uns also durchaus relevant, wenn hier zum ersten Mal festgehalten wird, dass für Wallace Junior das Land Akasava eindeutig in Afrika liegt und zudem, neben den in den Sanders-Erzählungen und dem Francofilm, noch ein drittes Mal Schauplatz eines Wallace-Abenteuers war, das zeitlich auch noch vor dem Francofilm lag; Das Phantom von Soho wurde 1963/64 gedreht. (fb)



Donnerstag, 27. Juni 2019

Ab heute Comic Con in Köln

Ob sie wirklich das größte Popkulturfestival ist, wie vollmundig behauptet wird? Die noch bis Sonntag dauernde Comic Com füllt in Köln nur zwei Messehallen. Die mangelnde Qualität machte die Veranstaltung bislang aber mit viel Charme wett. Als einer der real auftretenden Starsa ist Jason Stratham angekündigt. Der Schwerpunkt liegt dem Vernehmen nach auf gedruckten Comics bzw. Graphic Novels. Ein Besuch könnte sich lohnen, vor allem morgen, bevor am Wochenende das zu erwartende große Gedränge beginnt, zumal bei der Hitze sicher nicht angenehm.



Remake der Deutschstunde

Im Kino war der Roman von Siegfried Lenz noch nicht, allerdings gab es einmal eine hervorragende, wenngleich etwas zähe  mehrteilige Fernsehverfilmung, so habe ich sie in Erinnerung; wobei das "Zähe" heute schon wieder angenehm wirken mag, tendiert doch jedes heutige "TV Movie" möglichst zum Sensationalismus in Richtung "Event Movie" wegen der Einschaltquote, diese war damals ein Fremdwort.
Nun also die Kinoversion, wobei der alte Fernsehfilm ironischerweise noch richtig auf Filmmaterial gedreht wurde, der neue Versuch hingegen, vermute ich mal stark, digital, also gar kein "Film" im eigentlichen Sinne ist, aber dergleichen werden wir in Zukunft noch öfter erleben. Regie Führt Christian Schwochow (Bad Banks, Paula), das Drehbuch hat die Frau Mama geschrieben, den Vater Jepsen spielt Ulrich Noethen. Man darf einigermaßen gespannt sein, immerhin bekam die Mama schon mal für ein früheres Werk den Grimme-Preis Der Kinostart ist für den 3. Oktober vorgesehen. (fb)



Rambo: neuer (und letzter?) Aufguß















Er will es nochmal wissen. Slyvester Stallone schlüpft wieder in seine neben Rocky erfolgreichste Rolle. Rambo: Last Blood heißt der Film im Original, und meist wird bei uns ja nicht mehr viel geändert. Am 11. Septrember wissen wir mehr, dann läuft der Film an. 


 

Dienstag, 11. Juni 2019

Rätseln mit Ronnie












Was haben Robert Mitchum und Gila von Weitershausen gemeinsam?

Auflösung am Postende.








Man muss auch mal über seinen Schatten springen können ...... 



..... sofern man gesund, finanziell flüssig und nicht überlastet ist und der Computer perfekt funk- tioniert. Deshalb dauert es leider noch ein Weilchen bis zum nächsten Heft und zu häufigeren Posts. Die Redaktion bittet um Verständnis  - vielleicht klappt es ja demnächst, Sommerpause machen wir eh nicht, zudem bieten wir bekanntlich nicht nur Kritiken.

Und nun zu etwas ganz anderem .....





Politisch korrekt wie immer, bieten wir heute nochmals das Antipodon zu den fetten alten weißen Männern.



Fette alte weiße Frauen, die die Welt nicht braucht: Antje Krumm


Seit 1982 besuche ich in Köln die Pressevorführungen, damals noch als Hospitant; nur Rolf-Ruediger Hamacher und Wilfried Reichart sind noch länger mit dabei. Wie bereits berichtet, kann ich seit einem Jahr entgegen des üblichen Rewohnheitsrechts nur noch die Termine mit persönlicher Einladung besuchen und nicht sämtliche. Schuld daran ist die sogenannte Pressebetreuerin Antje Krumm. Da konnte selbst mein Rechtsanwalt nichts ausrichten, denn ein solches Gewohnheitsrecht ist nicht einklagbar, selbst wenn es seit 37 Jahren (mit Unterbrechungen) ausgeübt wird. In den 70er Jahren ging das noch, heute nicht mehr.

Den Nachteil haben Sie, liebe Leser, da ich und meine Mitarbeiter nun nicht mehr so viele Filme wie bisher im Vorfeld sehen und rezensieren können.Auch mein Presseausweis nützt mir da nichts, zum Jahresende werde ich wohl aus dem Kritikerverband austreten, weil dank Frau Krumm ein Presseausweis in Köln nichts wert ist. Ich habe mich nun beim Deutschen Presserat über Frau Krumm beschwert, obgleich auch das nicht helfen wird, zumindest aber ist man dann dort informiert, wie sich der berüchtigte Kölsche Klüngel nun wieder einmal gebärdet. (fb)




Leserbriefe



Hier ein Brief von Regisseur Andreas Marschall:


"Hi Frank,

habe dein Magazin mit großem Interesse und Vergnügen gelesen. Du schaffst es, dem Leser das Gefühl zu geben, durch Filmgeschichte zu schlendern und webst viel persönliche Leidenschaft und politisch-historische Kenntnis mit ein. Die Subjektivität und gelegentliche Schärfe gegenüber bestimmten Mainstream-Kritiken würzen das Ganze. Kompliment."

Anmerkung: Wir duzen uns zwar, sind uns aber erst zweimal persönlich begegnet und nicht näher miteinan- der befreundet, Andreas ist also nicht befangen. Sein Text bezieht sich auf ein älteres Heft, daher wäre ihm möglicherweise der Inhalt der jüngsten Veröffentlichungen etwas zu sehr "gewürzt" - who knows.


Und es gab eine Mail des Journalisten Rüdiger Suchsland, der sich über mein Wortspiel "Rüdiger Nichtfindsland" beschwerte. Kollege Helmut W. Banz selig hätte da mit "Aber Rüdiger, Sie sind ja ein Sensibelchen!" reagiert, jedenfalls habe ich mich als höflich erzogener Bürgersohn entschuldigt, denn Suchsland fühlte sich nicht nur gekränkt, sondern "diffamiert". Er hat mir auf die Entschuldigung hin nochmals geschrieben; alles Nähere im nächsten Heft. (fb)




DVD-Tipps: Vom Ausbleiben der Auflösung

 








Noch ist Scheibenland nicht verloren. Es bleibt einfach wunderbar, alte und neue Filme als DVDs und Blu-rays wie Bücher ins Regal stellen zu können, ganz so wie einst die Videokassetten, die dekorativer waren, aber auch mehr mehr Platz wegnahmen und weniger Bildqualität boten. So rasch wird das Reich der Silberlinge nicht untergehen, gerade auf dem Gebiet des B- und wie man neuerdings sagt Grindhousefilms existieren noch eine ganze Reihe ambitionierter kleiner Firmen, die Ungewöhnlices und Seltenes auf den Markt "werfen", welcher davon nicht zusammenbricht. Nererscheinungen werden oft bei Dirtypictures vorgestellt.
Umso ärgerlicher freilich bleibt das, was mir jetzt zum wiederholten Mal passiert ist: Nachdem ich sowohl im Kölner Saturn als auch im Supermarkt etwas Interessantes entdeckt hatte, stellte ich dann zuhause beim Sichten fest, dass diese Gangster wieder mal von einer alten VHS und nicht etwa von einem Sendemaster oder gar einer originalen 35er-Kopie abgetastet hatten. Ist eine solche Zumutung denn wirklich unum- gänglich? Dann kann man ja auch gleich die alte Kassette kaufen oder, sofern vorhanden,  eine legale Internetversion runterladen.

Wenn ich eine Scheibe erwerbe, so erwarte ich eine entsprechend hohe Bildauflösung und keine wie bei Super8. Sollte es tatsächlich keinen anderen Weg gegeben haben. ließe sich zwar mit Besser-so-als-gar-nicht entgegnen, und da ist freilich was dran. Der Kaufpreis sollte dann aber auch entsprechend niedriger sein, schließlich können die Rechteinhaber von den Labels für einen solchen Mist keine hohen Lizenzge-bühren verlangen. Vielleicht waren es ja eh verkappte Bootlegs, man könnte es glatt annehmen. Eine Liste solcher betrügerischen Filme folgt im Heft. (fb)



Rätsel-Auflösung










  
Beide überwanden mit eisernem Willen ihre Drogensucht.
 


Dienstag, 14. Mai 2019

Demnächst im Kino













Schweden ist Silber, Filmen ist Gold - mitunter. Dieses neue Werk mit dem zunächst mal nichtssagenden Titel Britt-Marie war hier liegt irgendwo im unteren Mittelfeld. Eine ältere Hausfrau merkt, dass sie von ihrem Mann betrogen wurde, verlässt ihn und geht zum Ar- beitsamt. Nun soll sie  in einem kleinen schwedischen Provinznest ein heruntergekommenes Jugendzentrum betreuen und auch noch die Fußballmannschaft trainieren, nur wusste das Amt offenbar nicht, dass man als Fußballcoach eine Lizenz vraucht, Britt-Marie zunächst auch nicht. Wenn etwas an diesem Film besonders bemerkenswert ist, dann neben der sensiblen Leistung der Hauptdarstellerin die unglaublich herablassende und kränkende  Art, mit der die Kinder, gerade auch die mit Migrationshintergrund, Britt-Marie zunächst begegnen, wie einem Menschen driter Klasse. Leider keine unrealistische Darstellung. Kinostart am 13. Juni.

Zwischen den Zeilen (genauso nichtssagend) ist der drittneueste Film mit Juliette Binouche und kommt erst jetzt in die deutschen Filmtheater. Regie führte Olivier Assayas, der sich vielleicht doch aufs Drehbuchschreiben für andere Regisseure konzentrieren sollte. Sein Opus fällt unter eine Kategorie, die wir Filmkritiker ganz besonders lieben, nämlich Illustriertes Hörspiel  -  ich bin kein Assayas-Experte, aber genau das war bei Die Wolken von Sils-Maria auch schon der Fall: zuviel geschwätziger Dialog, zuwenig zum Gucken, unterm Strich zu langweilig und nur was für Binouche-Besessene.
Kinostart am 6. Juni. Mehr zu beiden Filmen im nächsten Heft.




In eigener Sache

Hoffentlich noch in diesem Monat werden an dieser Stelle wieder öfter und regelmäßiger Filmankündigungen und andere Beiträge erscheinen, denn es wird einen zusätzlichen Autor geben.




Berlins Babylon mit eigenem Stummfilmorchester

1929 eröffnete das Babylon, gerade noch in der Endphase der Stummfilmära. Seit einiger Zeit verfügt das Lichtspielhaus, man glaubt es kaum, über ein eigenes kleines Filmorchester, dass bei den gelegentlichen Aufführungen von Stummfilmen diese live begleitet. Dies ist meines Wissens bundesweit einzigartig. Wir in Köln haben das Glück, mit Daniel Kothenschulte über einen Film- publizisten und zugleich -pianisten zu verfügen. Ich erinnere mich noch mit Freuden an den Abend, als er im Filmsaal des Museums Ludwig (wo damals noch die Cinemathek Dauermieter war) den Preis der Schönheit mit meinem besonderen Liebling Louise Brooks am Klavier begleitete, von Anfang bis Ende; sowas muss man können. Aber ein ganzes Orchester, wie einst in seligen Stummfilmtagen, diesen vielleicht Liebenswertesten aller Anachronismen gibt es wohl nur in der  Hauptstadt. Die Vorstellungen sind gut besucht bis ausverkauft, gottlob, denn das Orchester erhält keine Subnventionen.



Die Aura von Laura   -   Good News




Ihre Fans wissen ein Lied davon zu singen: Die wichtigsten Filme mit "Black Emanuelle" Laura Gemser, die uns Schülerbubis im Kölner Bahnhofskino Aki und anderswo die große weite Welt zeigten, gab es mal als 16mm-Zusammenschnitt oder Videokassette, indes liegen sie heute nicht oder kaum auf DVD und BD vor  -  und die schlechtesten und mißlungensten wie etwa Nackte Eva, trotz Jack Palance, oder Die Frau vom heißen Fluß, wo die schöne Indonesin sogar unter der Dusche die Dessous anbehält, auweia! War ja auch kein Film von Joe d´Amato.

Umso erfreulicher, dass das Label Mondo Macabro vor kurzem eine Blu-ray von einem ihrer spannendsten Werke herausgebracht haben soll, Emanuelle in America, so der englische Titel. Erscheinungsdtermin war angeblich am 6. März, dann wurde angeblich verschoben, nix Genaues weiss man nicht, das ist hier keine bezahlte Werbung und augenblicklich fehlt mir die Zeit, dem nachzugehen. Jedenfalls kündigte die Werbung eine 2K-Abtastung von einem originalen Negativ an. Schön wär´s, denn die bisherige Verson von X-Rated war in der Bildqualität eher mittelprächtig.
Jetzt fehlen nur noch gescheite Editionen der anderen Meisterwerke, Nackt unter Kannibalen, Laura - Eine Frau geht durch die Hölle und wie sie alle heißen. Man darf wieder hoffen.




Dienstag, 23. April 2019

Demnächst im Kino: Stan und Ollie



Dick und Doof, wie sie noch keiner sah. Ohne Zweifel gehört der Film Stan und Ollie zu den großen Künstlerportraits, in denen Schauspieler ihren Kollegen ein Denkmal setzen  -  und das bei einem Beruf, der sich allgemein, wie ich aus eigener Erfahrung weiß,  nicht gerade durch besondere Kol- legialität auszeichnet. Klaus Maria Brandauer nahm anderen Akteuren einfach teile ihres Textes weg und selbst die scheinbar so leutselige Marika Rökk galt in der Branche als "Kollegenfresserin", kurzum: jeder kämpft gegen jeden. Umso erfreulicher, wenn es dann einmal anders kommt. So wie Martin Landau in Ed Wood dem großen Bela Lugosi seine Referenz erwies, so tun es hier auf gleichfalls höchst gelungene Weise, Steve Coogan (den ich in der Laurel-Maske zuerst nicht erkannte) und John C. Reilly als Hardy.

Kinostart ist am 9. Mai. Näheres zum Film im nächsten Heft, das eine Sonderausgabe zum 100. Geburtstag von Lex Barker sein wird. (ama)




Kinoart ist umgezogen   -   und Köln um eine cineastische Attraktion ärmer

Wolfgang Jahn, einer der profiliertesten und sachkundigsten Filmplakat in Deutschland, hat das Domizil gewechselt und ist mit seinem umfangreichen Archiv von Köln nach Würzburg gezogen. Höchst bedauerlich, da man nun als Kölner sein umfangreiches Angebot, das mit Plakaten aus der Stummfilmzeit beginnt, nicht mehr vor dem kauf in die Hand nehmen kann. Qualitätsprüfung ist al- lerdings auch nicht nötig, dieser Händler ist absolut seriös, allenfalls weicht bei der Vorstellung der Kunstwerke - und um solche handelt es sich bei den alten Grafiken in der Regel - im Internet die Farbgebung etwas ab, doch das läßt sich nicht vermeiden.

Bestellen kann man freilich immer noch online, Näheres unter www.kinoart.net. Wir wünschen Herrn Jahn weiterhin viel Erfolg in Würzburg. (fb)



Montag, 25. Februar 2019

Rätsel


In welchem Film von Andy Warhol kommt (offenbar) eine Snuff-Szene vor?
Auflösung wie immer am Post-Ende




Kritik aus Israel an Donnersmarck

Eine israelische Drehbuchautorin rügt den neuen Film von Florian Henckel von Donnersmarck, der in die engere Wahl zum Auslandsoscar gekommen war, weil er den Holocaust nicht erwähnt.
Allgemein gelten die Juden ja als intelligentes Volk. Es scheint den meisten jedoch noch immer nicht bewußt zu sein, dass solche Kommenrtare (und künftig vorgesehene Aktionen wie das Hissen der israelischen Fahne auf dem Mond, kein Scherz) Wasser auf die Mühlen derer sind, die sie für arrogant und kritik- bis hassenswürdig halten.

Solange kein Tag vergeht, an dem deutsche und globale Medien nicht an den Holocaust erinnern und solange Hitler der mit Abstand berühmteste Deutsche der Welt bleibt (dabei war er gebürtiger Ös- terreicher), müsste es eigentlich umgekehrt sein: für jeden Film, der Deuteche als Nazis zeigt, müssten mindestens zwei kommen, die den "Good German" oder zur Abwechslung mal die Völker- morde des Kommunismus im 20. Jahrhundert präsentieren. Und ganz abgesehen davon ist die Haltung der Dame ein Angriff auf die Freiheit der Kunst, die auch bezüglich der künstlerischen Eigenproduktionen in Israel einen schweren Stand hat. (ama)




Rätsellösung

Die Darstellerin Viva wusste angeblich nichts von der zu filmenden Gruppensexszene in Die Cow- boys, es war also de facto eine Vergewaltigung; so sehen es jedenfalls manche Filmhistoriker.



Mittwoch, 13. Februar 2019

ab morgen im Kino: ALITA mit Christoph Waltz






Da wir leider doch nicht vor Ort auf der Berlinale sein können, machen wir schon jetzt weiter und schieben hier einen Kinotipp ein.   -   Die großen Glubschaugen der Heldin sind Geschmackssache, jedenfalls leicht zu erklären: Alita: Battle Angel, das neueste Werk von Robert Rodruguez, beruht auf einem Manga. Ausführliche Kritik im kommenden Heft, hier nur so viel: nicht nur die Fans des fa- belhaften Christoph Waltz werden hier ihre Freude haben, sondern überhaupt alle, die sich gern gut unterhalten wollen. (fb)




zum Tag des Radios: Verschont uns mit diesen ewigen Tussie-Piepsstimmen!

Heute ist der offizielle Tag des Radios, den ich zum Anlass nehme, einmal Kritik an der akustischen Ästhetik desselben zu üben, speziell bezogen auf die beiden Deutschlandfunksender und die Ra- dioprogramme des WDR, die ich seit 20 Jahren regelmäßig höre, vor allem die Kulturjournale. Gibt es denn überhaupr keine Männer mehr, die im Hörfunk ihre Brötchen verdienen wollen? Und wenn doch mal jemand zu hören ist, dann offenbar kein richtiger Mann, denn wahre Männer klingen nicht der- maßen tuntig. Für WDR sagt man schließlich auch je nachdem "Warme Darm-Rammler" oder "Wo Dildos rotieren". Und Ausnahmen wie Michael "Kultur heute" Köhler, der immer so klingt, als ob ihm sein Job zum Hals heraushängt und er möglichst rasch fertig werden will, bestätigen nur die Regel.

Bei den Damen, egal ob Moderatorin, Reporterin oder Kritikerin, liegt das Durchschnittsalter bei 22-23 Jahren, so klingt es jedenfalls. Egal ob Nicole Marquardt, Ramona Westhof, Marie Kaiser, Dorothee Holz, Silke Hahne oder mein ganz besonderer Liebling, Tanzkritierin Wiebke Hüster, ich halte diese ewigen aufgeregten Jungtussie-Piepsstimmen langsam nicht mehr aus. Imgrunde ist es akustische Grausamkeit, manchmal auch inhaltlich, so wenn etwa Fräulein Hüster ihren Rassismus gegen "alte weiße Männer" pflegt. Sollte sich bislang noch niemand außer mir beschwert haben, so liegt der Grund nicht zuletzt in der Struktur der Rezipienten, sind es doch mehrheitlich wiederum Frauen und Schwule, die bei Kultursendungen am Radio hängen.

Ein anderer Grund: bei DLF und WDR wird nicht mehr so schnell verbeamtet wie früher, die Per- sonalkosten sind eh schon seit Jahren nur noch auf Kosten des Programmniveaus finanzierbar. Die Mädels werden mehrheitlich als Hospitantinnen oder bestenfalls "Feste Freie" beschäftigt und nach ein paar Jahren durch neue ersetzt. Folglich wird man beim Funk nicht alt, im wahrsten Sinne des Wortes. De facto verbeamtet wurden hingegen so unangenehme Kollegen wie Ingrid Bartsch, die einst so grade noch die Kurve kriegte - leider. Und für diesen ganzen unfähigen Zirkus soll man auch noch Gebühren zahlen. Mir jedenfalls vergeht langsam die Lust am Radio, am Fernsheen sowieso, wobei noch andere Gründe hinzu kommen. (fb)


Mittwoch, 23. Januar 2019

Realismusdebatte: Autos sind keine Bomben auf vier Rädern!





Es war Mitte der 90er Jahre, als ich in in der Zeitung ein Bild dieser Szene aus dem Film Fair Game sah und damit zum etwa hundertfünfundsiebzigsten Mal die Explosion eines Autos kurz nach einem Unfall, und ich dachte mir: Muss das wirklich unbedingt sein? Bleiben die Kleinbürger im Publikum unbefriedigt, wenn nach einem Autocrash NICHT mindestens ein Wagen explodiert und dekorativ in Flammen aufgeht? Wie alle Autofahrer wissen oder jedenfalls wisen sollten, lautet dabei die Antwort ganz klar: NEIN.

Es ist und bleibt der größte Blödsinn aller Zeiten. Den Film sah ich mir trotzdem an, weil das damals angesagte Model Cindy Crawford mal wieder beweisen wollte, dass sie auch Schauspielerin ist, den Beweis in punkto Wandlungsfähigkeit aber wie üblich schuldig blieb.Zurück zur Sache: Mit viel, mit sehr viel Pech kann es dazu kommen, dass bei einem Auto, dass in der Wirklichkeit z.B. einen Abhang hinuntergestürzt ist, das Benzin zu brennen beginnt.
Die Wahrscheinlichkeit einer Explosion aber ist verschwindend gering, da muss schon die Auto- batterie Funken sprühen oder etwas anderes los sein. Jene Moral- und Sittenwächter, die im vorigen Jahrhundert davor warnten, Kino würde verdummen, hatten in gewisser Weise nicht ganz unrecht; jedes Massenmedium verdummt freilich den Rezipienten, wenn dieser nicht die Cleverness zur kritischen Hinterfragung aufbringt.
Wer sich für die Details informiert: die Mythbusters haben in einer Folge ihrer gleichnamigen Serie genauer untersucht, was mit den Autos bei bzw. kurz nach einem Crash wirklich passiert.

Ein ähnliches Phänomen, ein weiteres Beispiel dafür, wie die Medien unsere Auffassung von Wirklichkeit stylen, um sie besser vermarkten zu können, ist auf der akustischen Ebene bei Actionszenen der Kinnhaken bzw. allgemein der harte Faustschlag ins Gesicht. In derlei Kampfhandlungen war ich selbst als braver Bürgerssohn zwar noch nicht verwickelt, ich war aber mal Zuschauer. Den meisten Filmfans dürfte es eh klar sein, zur Sicherheit hier nochmals ins Stammbuch: der Schlag ins Gesicht ist natürlich viel leiser und klingt auch ganz anders, als es uns die Spielfilme seit Beginn der Tonfilmzeit weismachen wollen, in Synchros ebenso wie in O-Fassungen. Viel Spaß beim nächsten Actionfilm. (fb)




Ein Ruf wie Donnerhall  -  nach Hollywood zur Oscarnacht 

Der neue Film des Regisseurs mit dem markigen langen Namen Florian Henckel von Donnersmarck, Werk ohne Autor ist von der Academy in die Auswahl um den diesjährigen Oscar aufgenommen worden, und zwar gleich in zwei Kategorien, als "bester fremdsprachiger Film" und in der Sparte "Kamera". Unser deutscher Herr von und zu ist eben nicht, wie fast alle anderen Regisseure in diesem unserem Land, permanenter Schrottproduzent, nie war das deutsche Kino so derart ka- tastrophal schlecht wie in den letzten zwanzig Jahren. Auch Donnersmarck wird keinen Oscar ge- winnen, darauf wette ich, vor allem weil er ja schon einen hat, es sei denn die Konkurrenz ist so unter aller Kanone, dass sie keine ernsthafte bedeutet. Am 24. Februar sind wir schlauer. (fb)




Mittwoch, 2. Januar 2019

Louis Reloaded



DVD-Tipp


  Am 25. Januar kommt, wenn es keine Verzögerung gibt, ein alter Film mit Louis de Funes auf den Markt. Er ist von 1954, hieß in unseren Kinos Papa, Mama, meine Frau und ich, eine wörtliche Übersetzung des Originaltitels, und wurde nun zwecks besserer Vermarktung umgetauft in Louis der Schnatterkopf. Die DVD bietet die englische und die französische Synchro, die französische Originalfassung fehlt, was bei einem Preis von über 20 € etwas enttäuscht.

  Wie die Fans wissen, war der Künstler damals noch lange kein Star, tritt also nur in einer Nebenrolle auf, wird aber natürlich auf dem Cover herausgestellt, siehe links. Kennt man ja von vielen Heinz-Erhardt-Filmen, aber längst nicht nur. Ich hatte meinen diesbezüglichen Kulturschock als Kind im Kino bei Herzogs Fitz- carraldo, wo auf den Plakaten Claudia Cardinales Name gleich groß neben dem Kinskis gedruckt stand, ins- gesamt, ist sie aber im Film nicht viel länger als fünf Minuten am Anfang zu sehen, und dann ganz am Schluß nochmals ein paar Sekunden, als sie dem im Triumph heimkehrenden Helden zuwinkt. So ein Betrug, dachte ich damals, zumal ein langweiliger Eierkopf-Film als großer Abenteuer vermarktet wurde.Den Vogel hat man allerdings in Südamerika in den 60er Jahren abge- schossen, als dort Die größte Geschichte aller Zeiten über das Leben Jesu anlief, gepriesen als "der neueste John-Wayne-Film". Im Film hat Wayne nur einen Satz, er ist der Soldat, der auf Golgatha die Worte "Wahrlich, dieser Mann war Gottes Sohn" spricht. (fb)