Sonntag, 8. Juli 2018

Robby Müller gestorben





Jener Kameramann, den ich irrtümlich immer für einen Deutschen hielt, ob seines archetypisch deutschen Namens und weil er seine Karriere in Deutschland begann, war Holländer. Dort wurde er geboren und ist nun im Alter von 78 Jahren in Amsterdam gestorben. Anders als Gerhard Vandenberg, bei dem er nach seiner Ausbildung assistierte, entwickelte Robby Müller keinen eigenen "Stil", was auch nicht unbedingt die Aufgabe eines Kameramanns ist, er war einfach ein hervorragender Mann in seinem Beruf. Wim Wnders, Jim Jarmusch und Lars von Trier waren nur drei seiner zahlreichen Regisseure.
Also war Michael Ballhaus doch unser einziger Kameramann in Hollywood. Und hierzulande? Der Sohn Florian Ballhaus hat gerade den Deutschen Kamerapreis erhalten. Dass er überhaupt in diesem begehrten Beruf problemlos Fuß fassen konnte, bestätigt wieder einmal die Vitamin-B- und Mafia- strukturen im deutschen Film und Fernsehen; Talent vererbt sich nicht automatisch, schon gar nicht bei Familie Ballhaus. (ama)




Stimmen, die uns auffielen: Christina Hoeltel


Und nun rasch wieder zu den Lebenden. Die in loser Folge präsentierten Gesichter, die uns auffielen werden ab heut ergänzt mit einer den Stimmen von Darstellern gewidmeten Reihe.

Der Jazzexperte Joachim F. Behrendt wußte es schon: Audio ergo sum. Ich höre, also bin ich. So relevant das Sinnesorgan Auge auch sein mag, das Ohr sollte man nicht unterschätzen. Für mich - und ich dürfte beileibe kaum der Einzige sein - gebührte gleich neben Margot Leonard auch Christina Hoeltel (mitunter Kurzform Tina) schon immer ein Thron auf den Olymp der schönsten weiblichen deutschen Synchronstimmen, unbeschreiblich weiblich im wahrsten, notabene auch erotischen Sinne. Das Unverwechselbare im Klang ihrer Stimme basiert auf dem nur scheinbaren Widerspruch eines mitunter markant burschikosen Sprachduktus einerseits und des doch eindeutig weiblich-sinnlichen Timbres andererseits, und dies beruhte nicht auf forcierter Verstellung, das hat sie nicht nötig, es ist Hoeltgens Naturton.

Wenngleich manchen Männern das Singuläre dieser Stimme zu ungewohnt, zu pittoresk erscheinen mochte, hat sie aber doch wohl den Großteil ihres männlichen Publikums eher verzaubert. So wie Margot Leonard dazu geboren war, der Monroe, Diana Rigg  und anderen großen Kolleginnen ihre Stimme zu "leihen", wie es immer so schön heißt (besser: den Rechteinhabern zu verkaufen), so war Christina Hoeltel die beste Wahl bei Jessica Lange, Heather Locklear, lustigerweise sprach Hoeltel auch den Scooter in der Muppets Show, wo sie das lebhaft Burschikose ihrer Stimme voll einbringen konnte, ferner hörte man sie in Jäger des verlorenen Schatzes und Harry Potter, und neben vielen anderen Serienheldinnen sprach sie Erin Gray, den weiblichen Star in der Science Fiction-Serie Buck Rogers   -  umso ärgerlicher dann der plötzliche Wechsel, wenn in manchen Folgen von Serien plötzlich eine andere Stimme zur gleichen Rolle ertönt, aber das nur nebenbei, Schuld daran tragen nicht die Sprecher. Ausgerechnet Scooter wurde immer durchgehend von Hoeltel gesprochen, auch in den Kinofilmen, hierauf achtete man wohl des besonderen Marktwertes der Muppets wegen.




















2011 widmeten wir uns erstmals dem          Thema Synchro.




Mit Margot Leonard teilt Tina Hoeltel die Entwicklung ihrer Karriere, offenbar zu selten aus den Synchronstudios herausgekommen zu sein, um noch in den ganz großen Hauptrollen VOR der Kamera oder, ebenfalls bedauerlich, in Hörspielen auftreten zu können. Ansonsten gibt es keine näheren Angaben zu ihr, weder im Netz noch in der Fachliteratur, außer mageren Hinweisen wie dem, dass sie schon als Kind mit der Arbeit als Sprecherin begann. Ihre Jugendlichkeit bewahrte sich Tina bis ins fortgeschrittene Alter und konnte so später oftmals Kolleginnen synchronisieren, die viel jünger waren als sie selbst.

Mittlerweile geht sie auf die 70 zu (geboren am 28. Dezember, wie Friedrich Wilhelm Murnau, Walter Ruttmann, die Knef und mit Verlaub auch ich, die Sterne meinten es gut mit uns), ist noch immer aktiv und kann vermutlich ein Lied davon singen, wie sehr sich die Arbeitsbedingungen für Synchron- sprecher in den letzten Jahrzehnten verschlechtert haben.
Früher war die deutsche Synchronisation bei den Auftraggebern auch im Ausland für ihre Qualität berühmt, die Schauspielerin hatte daran mit ihrer unverwechselbaren, lebhaften und  ausdrucks- starken Stimme entscheidenden Anteil.
Ganz generell machte sich halt damals die echt deutsche Begabung für Gründlichkeit und Ge- nauigkeit bis in die 80er Jahre hinein bezahlt. Aus verschiedenen Gründen, u.a. weil nun alles so rasend schnell gehen muss, hat sich dies geändert; was sich heute Synchronisieren nennt, ist oft nur noch Voice-Over.

Lange habe ich gerätselt, was Fellini nur an dieser Giulietta Masina so toll gefunden haben mochte, als er sich in sie verliebte. Eines Tages erfuhr ich es: sie war damals Radiosprecherin und Fellini war hin und weg, als er ihre Stimme hörte. Christina Hoeltel hat nicht nur eine völlig unverwechselbare Stimme, sie ist ebenfalls von der Art, dass man die Frau allein ihrer Stimme wegen hätte heiraten wollen  -  eine aparte Schönheit ist sie noch außerdem. Wir wünschen alles Gute für die kommenden Lebens- und Arbeitsjahre. (fb)

Aus rechtlichen Gründen hier leider kein Foto von Christina Hoeltel.






Mittwoch, 4. Juli 2018

Demnächst im Kino: Nico, 1988






Anfang der 70er meinte Curd Jürgens in dem ihm gewidmeten Fernsehfeature Ansichten eines Stars, es sei doch "eine Schande", dass wir Deutsche auf Visconti warten mussten, bis eine Verfilmung von Thomas Manns Tod in Venedig in die Kinos kam, was freilich nicht gegen Visconti gerichtet war, sondern gegen die Unfähigkeit der Deutschen zu dergleichen. Viel hat sich seitdem nicht daran ge-ändert, dass deutsche Kultur und deutsche Künstler im Ausland engagierter rezipiert werden als im eigenen. Und so gab es bislang außer der Doku Nico Icon auch noch nicht viel über jene Frau, die sich einfach Nico nannte.

Nico war weit mehr als nur ein ehemaliges Model (einer ihrer ersten Fotogtrafen in Paris, wo sie eine Weile lebte, gab ihr diesen nom du guerre) und dann Sängerin bei Andy Warhols Velvet Under-ground. Bob Dylan schrieb für sie den Song "I´ll Keep It With Mine", Leonard Cohen "Take This Lon- ging", Iggi Pop "We Will Fall" und Jackson Browne "These Days", um nur vier Beispiele zu nennen. Jim Morrison, wohl die große Liebe ihres Lebens, riet Nico, auch selbst Songs zu schreiben. Sie drehte einige Filme, Fellini wollte ihr eine größere Rolle geben, nachdem er sie bei Das süße Leben, wo sie nur eine kurze Szene hatte, kennenlernte. Es kam anders, und kontinuierliche Arbeit als Schauspielerin ergab sich im Laufe der Jahre nicht.

Aber diese Stimme! Eine der schönsten Beschreibungen stammt vom Journalisten und Buchautor Chris Strodder, "her monotonous, flat voice sounded like a sonorous foghorn echoing under cold, black water."

Als sie starb, widmete ihr die Auslandspresse lange Nachrufe, die hiesige so gut wie keine. In Köln gab es später eine Bürgerinitiative, um einen Platz oder eine Straße der Stadt nach Nico zu benennen, dies wurde vom damaligen Oberbürgermeister ausdrücklich abgelehnt.
Nun hat die italienische Regisseurin Susanna Nicchiarelli einen Spielfilm über die letzten zwei Lebensjahre der gebürtigen Kölnerin gedreht, der Titel nennt nur das letzte Jahr, Nico, 1988. Die Dänin Trine Dyrholm spielt die Hauptrolle, laut Welt kann sie "wunderschön und grausam verbraucht" aussehen. Hier ist nun eher Letzteres gefragt, denn Nico war drogenabhängig.

Leider konnte ich den Film aufgrund gewisser unschöner Vorfälle und Querelen in der Kölner Presseszene noch nicht im Vorfeld sehen und kann daher nur jedem Interessierten empfehlen, sich selbst ein Urteil zu bilden. Kinostart in Deutschland ist am 18. Juli. (fb)


Andy Warhol, Nico




Zensur im Internet




Am kommenden Freitag debattiert das Europäische Parlament neue Gesetze zum Schutz von Urheber- und sonstigen Rechten im Internet. Dies könnte zum wiederholten Male Zensur bedeuten und auch die publizistische Freiheit des Projekts, das sie gerade lesen und das seit elf Jahren existiert, gefährden. So legitim die Absicht grundsätzlich auch sein mag, es wird den vorliegenden Quellen zufolge das notwendige grundsätzliche Differenzieren von kommerzieller und nichtkom-merzieller Nutzung weiter erschweren.

Dass wir alle überwacht werden und imgrunde  längst im Vierten Reich sind, ist nichts Neues. Ein wenig Milderung bietet offenbar die auch von mir privat genutzte holländische Suchmaschine Startpage.com, gottlob zumindest ein Europäer. Dies soll aber keine unbezahlte Werbung sein, denn Startpage hat mindestens zwei Nachteile: bei Eingabe von Suchbegriffen sind die auf dem Bildschirm erscheinenden Ergebnisse längst nicht so umfangreich wie bei Google, was besonders bei Bildern auffällt, und die angeblich sichere Mailadresse ist kostenpflichtig, was sich mancher nicht leisten kann, schade. Bei der Recherche bin ich nicht selten gezwungen, mit der Faust in der Tasche und zähneknirschend zu Google zu wechseln, wo alles was man tut automatisch gespeichert wird.

Angesichts der gesetzlichen Entwicklung kann man den im Internet recherchierenden privaten und nichtkommerziellen (!) Nutzern nur raten, so viele Texte und Bilder wie möglich herunterzuladen, ehe eine Zensurlage eintritt wie bei Orwell und Hitler zusammen, es fehlt nicht mehr viel. Und hoffen, dass die sogenannten Abgeordneten übermorgen schon zu sehr in Wochenendstimmung sind, um da noch großen Druck zu machen. (ama)







Donnerstag, 28. Juni 2018

Fußball-WM: Jogi Goes Murphy






Am Ende des gestrigen Spiels gegen Südkorea waren in Deutschland wohl die Redakteure der Tageszeitungen die einzigen nicht völlig Frustrierten (neben den Belegschaften der deutschen Sam-sung-Werke etc., dort hat man eher gejubelt): Wegen des frühen Beginns um 16 Uhr hatten sie nicht den üblichen Zeitstress, sondern konnten mit ein paar Stunden mehr gesegnet etwas sorgfältigere Texte schreiben. So ganz unerwartet kam das frühe Ausscheiden nur für die grenzenlosen Opti- misten, war doch die Leistung in den Spielen der letzten Monate generell nicht allzu berauschend.

Es ist eben möglich. Es kann auch einmal sein, dass wir eben NICHT ins Viertelfinale und ins End-spiel kommen, diesmal auch nicht ins Achtelfinale. Das Murphy´sche Gesetz besagt: Alles was schief gehen kann, geht halt auch irgendwann einmal schief. Dabei ist diese Weisheit imgrunde nur, wie so viele Natur- und juristische Gesetze, eine mathematisch nicht beweisbare Mutmaßung, eine philoso-phische These, die aber etwas für sich hat. Der Mensch ist fehlbar und diese Welt ist fehlbar, wäre dies nicht so, dann hätten wir ein ausgesprochen steriles Dasein. Und so haben wir uns gestern halt blamiert wie zuletzt (dem Vernehmen nach, ich bin kein Fußballexperte) 1938 gegen die Schweiz. Als alter Godzilla-Fan gönne ich freilich den Südkoreanern ihren Sieg, weil sie so ähnlich aussehen wie Japaner, eher klein, schlitzäugig und feingliedrig. Das Ausland weidet sich derweil an seiner Scha- denfreude und daran, dass auch in Deutschland, wo Gründlichkeit und Genauigkeit erfunden wurden, nicht immer alles richtig läuft, dass  jüngst gar ein halbes Jahr zur Regierungsbildung benötigt wurde  -  und nun das, der Fußballweltmeister fliegt schon nach dem dritten Spiel hinaus. Italien und manch andere Ex-Weltmeister hatten bereits in der Vergangenheit erleben müssen, kurz nach Beginn aufzugeben, nun also wir.
Immerhin, viermal sind wir seit 45 Weltmeister gewesen. Spielen wir also nicht die beleidigte Leberwurst, seien wir nicht pessimistisch wie Mister Murphy, sondern lieber optimistisch und zu- versichtlich wie Murphy Brown. (fb)



                                      Shay Laren





Dienstag, 26. Juni 2018

Gesichter die uns auffielen: Kurt Pratsch-Kaufmann





Es ist eine alte Weisheit, dass am Theater und im Spielfilm Nebenrollen dramaturgisch ebenso wichtig sind wie Hauptrollen, eins muss sich in das andere fügen, die Bezeichnung Nebenrolle ist somit eigentlich ungerecht abwertend. Der Schauspieler Kurt Pratsch-Kaufmann war als Charakter- darsteller, Kabarettist, Komiker, Parodist, Sänger, Conferencier, und Synchronsprecher nicht nur ungewöhnlich vielseitig, sondern auch ein Gesicht mit Wiedererkennungswert und hatte es bei allem Temperament nicht nötig, sich ostentativ in den Vordergrund zu spielen.

Als Sohn einer Tänzerin am Dresdner Hoftheater (Sachsen war bis 1918 de jure noch ein Königreich innerhalb des Deutschen Reiches) kam er früh mit der Bühne in Kontakt. An dieser Stelle kann man seine zahlreichen Rollen nicht aufzählen, die er an kleinen und großen Theatern, in Operetten, bei Film und Fernsehen spielte. Stellvertretend seien hier zwei bzw. drei Bühnenrollen genannt: der Hauptmann von Köpenick sowie der Vater von Eliza Doolittle, der im Musical My Fair Lady das Lied "Hei, heute morgen mach´ ich Hochzeit" schmettert. Jahrelang trat Pratsch-Kaufmann in dieser Rolle in Berlin auf, wo er auch oft vor der Filmkamera stand und in den 30er Jahren erstmals aufgetreten war, unter anderem im legendären Kabarett der Komiker. Berlin wurde seine künstlerische Heimat, dort errang er besondere Popularität, das Publikum nannte ihn liebevoll "Pratsche". Eine Hauptrolle am Theater hatte er vermutlich (wie so oft gibt es keine genauen Quellen) in Hello Dolly, mitgewirkt hat er auf jeden Fall, über 300 Mal, aber in welcher Rolle??? Nix Genaues erfährt man nicht, und ich bin Theaterwissenschaftler; aber es dürfte der Horace Vandergelder gewesen sein, die im Film von Walter Matthau gespielte und gesungene männliche Hauptrolle.

Von seinen wenigen ernsten Filmen ist wohl Das Totenschiff nach B. Traven, damals unterschätzt, der filmhistorisch bedeutendste. Für mich als Kind in den 70er Jahren war der Künstler in seinen späten Rollen noch ein vertrautes Gesicht in Film- und vor allem Fernsehrollen; meist als patenter Kerl, dem man sofort den berühmten Gebrauchtwagen abkaufen würde. Bei meinen Recherchen entdeckte ich gestern, dass Pratsch-Kaufmann am 24. Juni 1988, also vor fast genau 30 Jahren verstarb. Ein Grund mehr, an ihn zu erinnern und zu fragen, wie viele Mimen von seiner Qualität und Bandbreite wir heute wohl noch haben, die Zahl ist überschaubar. (fb)






Freitag, 25. Mai 2018

Rätsel





Was hatten Luchino Visconti und Helmut Ringelmann gemeinsam?

Auflösung am Postende.



DVD-Tipp



Die Deutschen machen es ihren Stars nicht leicht. Hardy Krüger darf noch immer ungestraft "NS-Eliteschüler" bezeichnet werden und es darf offen bleiben, ob damit seine Rolle in Junge Adler gemeint ist oder er selbst. Umso erfreulicher, dass nun als wohl eher zufälliges nachträgliches Geschenk zum 90. Geburtstag, die von ihm gestaltete Dokumentarserie Weltenbummler, die von 1987-95 in der ARD gezeigt wurde, als DVD-Edition erscheint.

Krüger "bummelte" nach Alaska, in die Antarktis, nach Südindien, Australien, traf in Neuseeland den letzten dortigen Goldsucher etc. etc. Das oben abgebildete "Volume Eins" (deutsche Sprache schwere Sprache) enthält die ersten zehn Folgen, verteilt auf 3 Scheiben, ergänzt durch einen Portraitfilm des beliebten Schauspielers, der auch international ein Star wurde. Mir liegt leider kein Rezensionsexemplar vor, und so kann ich nur mein Gedächtnis bemühen; zwei oder drei Folgen sah ich bei einer Wiederholung und mir fiel sofort der sympathische unprätentiöse Ton Krügers auf, wenn er seinen Kommentar aus dem Off sprach. Das war was Anderes als der etwa von Klaus Bednartz bei dessen Schulfunk-Erkundungen in der weiten Welt - vielleicht weniger intellektuell, aber auch nicht so hochnäsig und dröge. Und ich muss mein Bedauern darüber vermerken, dass nicht gleich zur BluRay-Technik gegriffen wurde. Ein schwerer Fehler, man wollte wohl Kosten sparen, tat sich damit aber keinen Gefallen. Geplanter Verkaufsstart der ersten Box ist am 17. August.



Ab Donnerstag im Kino





Fast nur Schrott, wie üblich. Am Sehenswertesten ist von den Spielfilmen Feinde - Hostiles, so jedenfalls meine Einschätzung mit Vorbehalt, denn ausgerechnet diesen Film konnte ich noch nicht sehen, indes wäre ich auch befangen, denn ich mag Rosamund Pike außerordentlich. Der Western als kontinuierliches Genre ist seit  40 Jahren nicht mehr existent und doch erscheint immer mal wieder ein solches Werk, da es nun mal die archaische amerikanische Folklore ist. Es geht einen Offizier (Christian Bale), der am Ende des 19. Jahrunderts einen Indianerhäuptling eskortieren soll, was er anfangs nur widerwillig tut. Bale und Pike lassen erwarten, dass sich der Film auch mit mehr als zwei Stunden Länge lohnt. Hostiles heißt übrigens laut Langenscheidts Wörterbuch nicht Feinde, sondern zunächst mal primär Feindschaften. Feind heißt in der Regel Enemy. Andererseits steht aber auf dem Originalplakat "We are all ... Hostiles". Nix Genaues weiß man nicht, wie so oft .....

Und das Plakat (unten) ist wieder mal viel toller als das  deutsche, warum haben sie das Motiv nicht übernommen? Weil sie keine Ahnung haben. 




Von den anlaufenden Dokus ist ein neues Werk von Agnes Varda, Augenblicke: Gesichter einer Reise interessant. Näheres hierzu und zur regisseurin, die am Dienstag 90 Jahre alt wird, im Heft.



Räume gesucht

Louise Brooks (Mitte), Kollegnnen, 1927

Die Akasava Lichtspiele suchen seit längerem eine neue Spielstätte und wollen künftig nicht mehr Untermieter bei einem anderen Kino, sondern Hauptmieter sein. Leider gibt es in Köln kaum ge- eignete Räume, wenn es einmal schöne Säle gab, so fielen sie weitgehend im Krieg den Bomben zum Opfer. Dafür wurden dann in der Nachkriegszeit Tausende kleiner spießiger Ladenlokale gebaut. Wer dennoch eine Idee hat, möge sich melden.



Oscar der freundliche Cineast



"Der Unterschied zwischen Geschichtsforschung und Filmgeschichtsforschung: Bei der ersten geht es um Dinge wie den Bruch zwischen Stalin und Leo Trotzki, bei der zweiten um den zwischen Desiree Barclay und Teresa Orlowski."



Des Rätsels Lösung



Beide haben Schauspieler in Rollen besetzt, die ihrem Image widersprachen. Ringelmann gab Erik Ode die Hauptrolle in Der Kommissar spielen, obwohl er das Image des eher heiteren Boulevard- schauspielers hatte. Visconti gab Laura Antonelli die ernste Rolle in seiner D´Annunzio-Verfilmung Die Unschuld, bis dahin war sie ein Star im italienischen Genre Commediasexy gewesen.




Montag, 14. Mai 2018

Filmkritik - ab Donnerstag im Kino





Der mit Abstand sehenswerteste, an dieser Stelle schon im April hochgelobte Film unter den am Donnerstag anlaufenden ist Nach einer wahren Geschichte, der hoffentlich nicht letzte neue Film von Altmeister Roman Polanski. Die Geschichte zweier Frauen, wobei die eine (Eva Green) sich der andere (Emmanuelle Seigner) charmant-freundlich aufdrängt und diese schließlich zu domionieren trachtet, wird mit einer subtilen Meisterschaft gestaltet, die wieder mal den Unterschied zum Niveau der meisten jüngeren Regisseure offenbart. Alles Nähere im neuen Heft.  -  Den Rest kann man getrost vergessen, vor allemwie üblich die beiden deutschen bzw. deutsch-französischen Machwerke.

Maria by Callas hingegen ist nur für die Callas-Aficionados Pflicht, und die Behauptung der Werbung, es sei ein absolut neuer Weg, dass sämtlicher Text von der beschriebenen Person selbst stammt, ist natürlich Unsinn. Dergleichen gab es in Deutschland schon spätestens Anfang der 70er, alswo vor fast einem halben jahrhundert, aber das weiß Regisseur Tom Volf natürlich nicht, weil die deutsche Apres-Goebbels-Mediengeschichte im Ausland nicht zur Kenntnis genommen wird.




Gesichter, die uns auffielen: Heidrun Hankammer




Der kürzlich verstorbene  Produzent und deutschstämmige Schweizer Erwin C. Dietrich war der einzige,der Heidrun Hankammer eine größere Rolle gab, in einen Film, der besser ist als sein Ruf, Die Nichten der Frau Oberst, frei nach Maupassant in die Gegenwart von 1968 verlegt, und im Fortsetzungsfilm. Sieht man sich den ersten Teil heute an, so fallen mehrere Dinge auf: dass er offenbar so gut wie nichts kostete (zudem erhielt Dietrich auch noch steuerliche Vorteile, indem der Schweizer seine Nichten offiziell als deutsche Produktion bezeichnen durfte) und dass sich die Erotik für heutige Maßstäbe in engen Grenzen hält, das Opus wirkt fast wie ein ZDF-Fernsehspiel der späten 70er oder der 80er Jahre. Hankammer überzeugt in ihrer Rolle (vorsichtshalber noch als Heidrun van Hoven) nicht nur mit langem blonden Haar und schönen Beinen, sondern mit einem angenehm zurückhaltenden und doch nicht langweiligen Schauspiel.
Wäre die damalige deutsche Filmindustrie ambitionierter und nicht so manufakturhaft-lustlos gewesen, man hätte Heidrun Hankammer zum Star aufgebaut, die Nichten waren der geschäftlich erfolgreichste Film der Saison und hätten de jure die Goldene Leinwand erhalten müssen, sie bedeuteten Dietrichs Durchbruch als Produzent. "In meiner Karriere gab es ein Leben vor den Nichten und ein Leben nach den Nichten", urteilte er später. Doch ach, "Persönlichkeit ist ncht nur in der Kunst nicht mehr gefragt", äußerte damals Elisabeth Flickenschildt, wie wahr. Und so wurde die junge Kollegin wie fast alle Nachwuchskräfte mit mehr oder weniger dankbaren Nebenrollen abgespeist, in Der Mann mit dem Glasauge, einer der schwachen späten Edgar-Wallace-Krimis, und in dem deutsch-italienischen Giallo Das Grauen kam aus dem Nebel von Duccio Tessari, aber auch hier hatte sie das Nachsehen, Co-Produzent Artur Brauner gab der von ihm protegierten Eva Renzi die größere Rolle.

Heidrun hätte in Italien bleiben sollen und dort ein Star oder Semi-Star wie Dagmar Lassander und Eva Niehaus werden können, war sie doch genau der Typ nordische Frau, dem die Italiener den roten Teppich ausrollen. Aber nein, niemand riet ihr zu, bei dem Gedanken könnte man heute noch die Krätze kriegen. Sie blieb in Deutschland, wo sie oft noch nicht mal im Vor- oder Abspann genannt wurde (was sie damals vielleicht auch nicht wollte).
So erschien sie in  Atemlos vor Liebe aka Flash-Teens im Blitzlicht und nicht zuletzt als fesches Alien in Stoßtrupp Venus bläst zum Angriff aka Ach jodel mir noch einen aka Space Girls (laut Rechmeier) aka 2069: A Sex Odyssey,. Unter letzterem Titel war das Werk jahrelang ein Hit im US-Kabelfern-sehen in einer leicht geschnittenen, aber englisch synchronisierten Fassung, diese erschien auch zuerst auf DVD. Das waren noch Zeiten, als deutsche Filme fürs Ausland eine Synchro bekamen, gelegentlich gibt es das heute noch, aber nur mit Steuergeld-Fördermitteln.

Heidrun machte den Stoßtrupp zu ihrem Zapfenstreich und beendete ihre Karriere.Wie schade, und doch in gewisser Weise verständlich. Für uns, die wir das damalige Filmschaffen weitgehend lieben, bleibt sie unvergessen. (fb)




Ratschlag für Filmbuchleser




Weniger Gehirnwäsche, bitte! 
Ein literarischer Versuch des Produzenten Nico Hoffmann: Mehr Haltung, bitte!

Es gibt seit langem eine Organisation, die weltweit nach antisemitischen Medien- oder sons-tigen Äußerungen forscht, von relativ harmlosen Auslassunen bis zur Leugnung des Holo-caust, um dann sofort zuzuschlagen, mit Gerichtsverfahren und Strafzahlungen zu drohen. Wie wäre es eigentlich, wenn die Bundesregierung oder eine NGO ein entsprechendes Institut zur Behauptung einer Kollektivschuld der Deutschen einrichtete? Es wäre nicht mehr als recht und billig und fände auch im Ausland weitgehend Zustimmung, ist jedoch in der mentalen Lage hierzulande nicht realisierbar.

Man müsste dann auch das Buch des Film- und Fernsehproduzenten Nico Hoffmann rügen. Nicht nur als Medienschaffender ist der Mann weit überschätzt, seine zahlreichen Preise basieren nicht auf eigener Leistung, die Hoffmann nur bedingt zu erbringen braucht (Näheres im Heft). Er ist auch nicht "der" UFA-Chef, wie jetzt in den anderen Rezensionen zu lesen steht, kann es nicht sein, da "die" UFA seit über 50 Jahren nicht mehr als singuläres Unternehmen und seit ca. 40 Jahren nur noch aus mehreren austauschbaren Labels besteht. Hofmanns Absicht, vor Rechtspopulismus und anderen Mißständen zu warnen, mag an sich löblich sein, doch er macht es sich hier wie allgemein üblich zu einfach. Allein schon der besserwisserische präpotente Titel Mehr Haltung, bitte! ist hier signifikant. Hofmann hat eine Art persönliches Trauma, da nicht nur sein Vater, sondern auch die Frau Mama den NS-Staat toll fand, und reagiert dies nun ab, indem auch er generalisierend vom "Land der Täter" spricht, um nur einen Aspekt zu nennen. Wir raten ab.





Dienstag, 8. Mai 2018

Tipp bzw. Anti-Tipp






In Ägypten ist ein Blogger, der auch schon mal satirische Videos auf Youtube hochlud, verhaftet worden. Dann wollen wir mal testen, wie es an dieser Stelle mit der Meinungsfreiheit bestellt ist: Mir fehlt schon lange jedes Verständnis dafür, dass der deutsche Steuerzahler, der nun schon seit Jahren den griechischen Staat durchfüttert, auch noch Griechenfilme wie den neuen über den Komponisten Theodorakis cofinanziert. Ganz generell kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass von jedem Euro, den uns der Fiskus aus der Tasche zieht, ca. 50 Cent schon mal direkt ins Ausland überwiesen werden.
Auch ansonsten fast nur Mist, was diese Woche anläuft. Der Buchladen der Florence Green ist sehenswert wegen Emily Mortimer, das war´s. Alles Nähere im neuen Heft.






Deutschland, deine Musterschüler

Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Volksvertreter verkaufen das Volk, eine alte Weisheit und nichts Neues, nur ist es in diesem unserem Land wieder mal besonders schlimm. Ein Vertreter der Bundesregierung hat heute in Genf vor einer Menschenrechtskommission Versäumnisse in der Frage der Menschenrechte eingeräumt. Warum tat er oder sie das? Es ist Aufgabe der Regierung, die Interessen des Landes zu vertreten, und dazu gehört das Aufrechnen möglicher Mißstände gegenüber Positivem, gerade auch dann, wenn es um das Image im Ausland geht.

Die heutige BRD ist nicht erst seit heute das ausländerfreundlichste Land der Welt, Ausländer genießen nicht selten mehr Rechte und finanzielle Leistungen als Inländer, so weit sind wir schon. Wir können offenbar einfach nicht von unserer falsch verstandenen freiwilligen Musterschüler-Rolle ablassen, in einem Übermaß, das im Ausland mißverstanden wird und bisweilen lächerlich wirkt, bis hin zum Protest. Ein Beispiel unter vielen waren vor kurzem die Demos in Köln und Berlin, wo hunderte Bürger mit einer Kippa auf dem Kopf agierten, um den mosaischen Mitbürgern ihre Solidarität zu bekunden, nachdem in berlin ein orthodoxer Jude auf der Straße belästigt worden war. Derlei Aktionen wie Demos mit Kippa werden von der älteren Generation in Israel und anderswo mitunter fälschlich als Versuch aufgefasst, sich endgültig vom Image des "Landes der Täter" reinzuwaschen  -  sie kennen also die deutschen Medien nicht. Aber es kommt noch ärger: Manche Juden nahmen überhaupt Anstoß daran, dass hier die Kippa in der Öffentlichkeit getragen wurde, obwohl sie eigentlich nur in die Synagoge gehört. Man könnte hier also bestenfalls lernen, es mit der politischen Korrektheit den Adressaten ohnehin nie völlig recht machen zu können. Dem steht jedoch die deutsche Gründlichkeit im Wege, die auf Teufel komm raus den nächsten Versuch dann eben anders gestalten wird, vielleicht mit neutraler Kopfbedeckung  -  oder den Einspruch einfach verdrängt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

So darf es freilich auch nicht sein, dass Flüchtlinge die Fahne mit dem Davidsstern verbrennen, gut gemeint, zweifellos, und doch auf der Basis einer absurden Staatsdoktrin: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Nimm unsere Gastfreundschaft, das Geld, die Wohnungen, die Mädels, aber verhalte dich im übrigen genauso politisch korrekt wie die deutschen Gutmenschen-Masochisten. Das konnte ja nicht gut gehen. Nachdem vor der israelischen Botschaft von einem Ausländer eine Davidsfahne verbrannt worden war, weil Präsident Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte, telefonierte unser Steinmeierchen mit seinem israelischen Amtskollegen und bat um Vergebung. Und das ganze oben geschilderte Theater über 70 Jahre nach Kriegsende. Kein anderes Staatsoberhaupt hätte eine solche Geste für nötig gehalten. Wird in Berlin ein Jude angepöbelt, kommt dies sogleich bundesweit in die Medien. Als vor ca. zehn Jahren in Sevilla eine Spanierin von einem Afrikaner vergewaltigt worden war, wurde erst mal eine Woche lang in den Straßen Sevillas  -  nicht etwa demonstriert, sondern es wurde Jagd auf jeden gemacht, der irgendwie ausländisch aussah. Eine Woche lang. In Deutschland, jedenfalls in Berlin und im Rheinland, sicher aber auch in Hamburg und anderswo ist es bereits nicht mehr erlaubt, einen Ausländer als Ausländer zu bezeichnen, schon gar nicht Vergewaltiger und Mörder.

Ich sage schon seit Jahren, dass die Französische Revolution in einem Punkt ihrer drei Forderungen in Deutschland erfolgreicher war als in Frankreich daelbst, in puncto Gleichheit. Mit Freiheit hatten wir ja noch nie viel am Hut, das bisschen erkämpfte bürgerliche Freiheit wird täglich durch den digitalen Ausbau des Überwachungsstaates mehr und mehr unterminiert, die Meinungsfreiheit von den politisch korrekten Gutmenschen beschnitten; Brüderlichkeit manifestierte sich dann, wenn es nahezu aussichtslos war wie in den 50er Jahren, als man für die "Brüder und Schwestern" in der Zone nicht viel mehr tat als abends Kerzen ins Fenster zu stellen. Nur in der Gleichheit, da wollen wir uns von niemandem übertreffen lassen. Das principium individuationis hatte es schon immer schwer hierzulande, deshalb gibt es auch so wenige Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, im Film, in den Medien, in der Politik, auf allen Ebenen.

Deshalb sind wir im Sport gerade in den Mannschaftssportarten wie Fußball und Mannschaftsrudern Weltspitze. Ich bin nicht der Erste, dem dies auffällt, aber es gehört in diesen Kontext. Nehmen wir mal den ehemaligen Weltklassesportler Bodo Illgner, in seiner Eigenschaft als Torwart für deutsche Verhältnisse schon Individualist. Ein Journalist forschte während Illgners Hoch-Zeit bei ihm mal nach Ecken und Kanten, hatte er vielleicht ein verwegenes Poster zuhause hängen wie einst Paul Breitner das Mao-Bildnis? Nein, die Suche verlief ergebnislos, und Illgner nahm es meinem Kollegen auch nicht übel:"Ich bin einfach nur der gute Torwart."
Ist das nicht rührend? Nichts gegen Herrn Illgner und seine tollen sportlichen Leistungen, Leute wie er trugen dazu bei, das Ausland daran zu erinnern, dass es auch ein Deutschalnd NACH 45 gibt (in ausländischen Medien kommt es kaum vor, der bekannteste Deutsche im Ausland ist und bleibt Hitler, ein gebürtiger Österreicher), allein schon daher brauchten und brauchen wir Leute wie Bodo Illgner. Was keinen Widerspruch zur allgemeinen politisch korrekten Gehirnwäsche in den heutigen Pisa- und Post-Pisa-Köpfen der Deutschen, wo nicht viel mehr als heiße Luft wabert, bedeutet.










Bodo Illgner: "Ich bin einfach nur der gute Torwart."




Und daher nach wie vor keine Obergrenze für Flüchtlinge, und jeder zweite Hartz-4-Empfänger ist Ausländer und lebt vom deutschen Steuerzahler. Wie sagte einst Henry Ford: "Wenn die Leute wüssten, wie unsere Wirtschaft funktioniert, hätten wie Revolution, und zwar morgen früh." Womöglich würde sich dann doch noch selbst in diesem unserem Land, das keine positive Identität mehr fühlt (außer bei gewonnenen Fußball-Länderspielen) etwas regen, weil es dann um den eigenen Geldbeutel ginge.
Polen nimmt nach wie vor keine Flüchtlinge auf, dafür wird in Medien wie Radio Maryja offen gegen Juden und Ausländer gehetzt. Hierzulande könnte ein solcher Sender gar nicht auf Sendung gehen oder würde sofort verboten. Nein, man hätte in Genf sagen müssen, okay, in Deutschland gibt es hier und da unangenehme Dinge, aber was beim Kapitel Menschenrechte geleistet wird, daran denken andere Staaten nicht einmal im Traum. Ein Regierungsvertreter, der nicht in diesem Sinn argumen-tiert, gehört aus dem Amt gejagt, und zwar ohne Pensionsanspruch, der deutsche Steuerzahler wird schon genügend zur Kasse gebeten. (ama)







Montag, 30. April 2018

DVD-Tipps


















Lange verschollene Folge der Serie Mit Schirm, Charme und Melone aus der Prä-Emma-Ära wiederentdeckt und nun veröffentlicht



Die Fans der Serie wissen es längst: Es gab in der britischen Serie Mit Schirm, Charme und Melone eine Zeit vor Diana Rigg als Emma Peel. 1960 war einer der Hauptgründe zum neuen Serien-Vorhaben, eine neue Rolle für den Schauspieler Ian Hendry zu finden, da die bisherige Serie Police Surgeon mit ihm in der Hauptrolle trotz des großen Erfolges geendet hatte. Nun trat er wieder als Arzt, diesmal nicht im Dienst der Londoner Polizei, sondern mit eigener Praxis auf und untersuchte neben seinen Patienten schwierige Kriminalfälle, unterstützt von seiner Sekretärin und Assistentin (Ingrid Hafner) und John Steed (Patrick Macnee). Auch diese Serie erreichte in England außerordentliche Popularität, wurde allerdings wie damals üblich nur auf Magnetband aufgezeichnet und nach der Sendung wieder gelöscht  -  dass man hier Fernseh- geschichte schrieb und gar eine Art Kult begründete, ahnte man nicht; wenn auch den Beteiligten klar war, hier nun etwas Besonderes, "something different" geschaffen zu haben, bereits vor den späteren ostentativen Pop- und SF-Elementen. Doch schon damals wollte man fort vom üblichen Cops-and-Robbers-Schema und bereits die erste Staffel wagte etwas ausgefallenere Spio- nage- und Science-Fiction-Topoi. Später wurde Hendrys Dr. Keel von Honor Blackman als Cathy Gale abgelöst.

Glücklicherweise hatte man vor der Löschung aber doch insgesamt, wie man bisher glaubte, zwei vollständige Folgen sowie den ersten Akt der allerersten Folge Hot Snow kopiert und damit der Nachwelt erhalten. Vor einiger Zeit wurde dann in einem Archiv zudem noch eine Filmfassung der 20. Folge Tunnel of Fear entdeckt.

























Ian Hendry 





Englands HörZu: Titelbild der TV Times vom 10. März 1961 mit Hendry, Ingrid Hafner und Patrick Macnee. Tunnel of Fear wurde am 5. August 61 gesendet. 


Nun wird diese gelungene, medienhistorisch relevante und nicht zuletzt unter- haltsame Folge in einer deutschen Edition von Studiocanal vorgestellt. Umso verdienstvoller, als das Unternehmen sich wohl kein allzu großes Geschäft erwarten darf, da in Deutschland selbst die Fans der Serie mitunter von der Existenz der Prä-Emma-Folgen entweder gar nichts wissen oder auf Diana Rigg als Macnees Partnerin derart fixiert sind, dass kein Interesse für Tunnel of Fear besteht. Aber es gibt ja noch die anderen, die ganz orthodoxen Aficionados wie Oliver Kalkofe, die schon als Kind alles zur Serie gesammelt haben und die wissen, das bereits Honor Blackman lange vor Diana  in schwarzer Lederkluft vor die Schirm, Charme-Kameras trat.

Die originale Fassung kann wahlweise mit deutschen Untertiteln gesehen wer- den. Der Käufer der DVD erhält im Bonusmaterial u. a. noch die rekonstruierte Fassung der allerersten Folge Hot Snow mit dem erhaltenen ersten Akt, der zugleich erklärt, warum die Serie im Original The Avengers, die Rächer, heißt. Die folgenden Akte werden mittels noch erhaltener Fotos und Band-Stills oder wie man es nennen soll, begleitet von einem Off-Kommentar geschildert; diese anschauliche Methode kennen die Fans bereits aus den alten DVD-Kassetten der ersten Staffel. 



John Steed (PatrickMacnee) arbeitet in Tunnel of Fear undercover als Jahrmarktsausrufer und kündigt orientalische Tänzerinnen an.

Auch die nicht an TV-Historie Interessierten werden ihre Freude haben, vor allem jene, die es "authentisch" mögen und sich nicht an der naturgemäß leicht eingeschränkten Bildqualität stören. Digital nachbearbeitet wurde hier, wenn überhaupt, nicht im Übermaß, und das war richtig. Ein Filmstreifen, der über ein halbes Jahrhundert alt ist und dem noch das kleinste Staubkörnchen weggeklickt wurde (wie bei Murnaus fast hundert Jahre altem Nosferatu), ist halt auch verfälscht und steril, der absolute 1:1 - Originalzustand - hier also den von 1961 - läßt sich ohnehin gerade auch mit dem gründlichsten Remastering nicht wiederherstellen.
Schade ist allerdings der übliche leichte Speedup-Effekt, der sich beim Umkopieren von 24 auf 25 Bilder pro Sekunde einstellt, was jedoch bei DVDs fast immer der Fall ist, ein Rück-Überspielen mit normaler Laufzeit ist zu aufwändig und zu teuer, besonders bei einem Special Interest Programm wie diesem.







Eine nostalgische Reise zurück in die Zeit, als Autos noch wie Autos, Frauen noch wie Frauen und Computer wie riesige alte Radios aussahen.  Tunnel of Fear ist eine der interessantesten Neuerscheinungen auf dem DVD-Markt. Näheres, auch zur Handlung, im nächsten Heft. (fb)

        Bilder Archiv







Unser Nachruf-Heft auf Patrick Macnee Nr. 38/2015  kann noch nachbestellt werden, solange der Vorrat reicht. Der Text hat 28 Seiten.







Montag, 23. April 2018

Zum Tag des Buches - Filmliteratur heute



Jean Harlow, Anita Loos


Das Sprichwort meint, dass Totgesagte länger leben. Für die gegenwärtig einen Boom erlebende Vinylschallplatte gilt dies zweifellos, und das Kino wurde bereits vor fast hundert Jahren mit dem Aufkommen des Radios erstmals totgesagt. Auch das gedruckte Buch wird es künftig weiterhin geben. Wie aber sieht es mit er Qualität der Film-Sekundärliteratur aus? (die primäre wären z.B. Drehbücher).
Es ist eine alte Story: In Deutschland wird das Filmwesen weder als Industrie noch als Kunstform so recht ernst genommen; wenngleich es in den letzten Jahrzehnten bescheidene Fortschritte im öffent-lichen Bewusstsein gab, die Betonung liegt auf bescheiden. Bis Ende der 60er Jahre hat eine um-fassendere Filmliteratur überhaupt nicht existiert und fristete ein Nischendasein.
Später gab es einige ambitionierte Projekte wie die legendäre "blaue Reihe" von Hanser, Monogra-fien im Taschenbuchformat zwar, aber dafür preiswert und mitunter sogar im Hardcover. Eine ent-sprechende, populärer gehaltene Reihe bei Heyne war schon eine Lizenznahme von den Amis, die das Original geschaffen hatten. Besonders schlimm sieht es mit den sogenannten filmwissenschaft-lichen Schriften aus, seriöse Lehre und Forschung findet kaum statt, wo soll da die Literatur wohl herkommen?

Die lesenswertesten Werke stammten seit den 90er Jahren nicht selten aus der Feder bzw. der Tastatur von "Laien", meist begeisterten Fans, die dem Objekt ihrer Begierde ein gedrucktes Denkmal setzen wollten, auf Buch- und Zeitschriftenebene. Ralf Stockhausen gibt seit langer Zeit die Pranke heraus, ein ausschließlich mit dem Genre Monsterfilm befasstes Heft, das einmal mit einem achtseitigen Artikel über die spanischsprachige Version des Dracula-Films mit Lugosi von 1930 aufwartete. Wäre ein solches Thema nicht Aufgabe offizieller filmhistorischer Stellen?  -  Ein besonderes Augenmerk verdient der Sprachduktus. Die Fanliteratur ist in der Regel naturgemäß frei vom trockenen akade-mischen Jargon, dafür kommt man in den Genuß des anderen Extrems, das von "Lockerheit" bis zum Gossenjargon reicht. Peter Osteried mag gerade noch angehen, aber den Vogel schießt bis heute un-übertroffen der auch unter Pseudonym schreibende Andreas Bethmann ab.

Wer in Sachen Kompetenz auf Nummer Sicher gehen will, sollte im Zweifelsfall nach wie vor die angelsächsische oder französische Filmliteratur zu Rate ziehen, daran hat sich nichts geändert. Im übrigen fallen mir bei Netz-Angaben immer wieder Fehler auf, etwa beim allseits bekannten Ama-teurlexikon Wikipedia. Wer sich rein auf Angeben aus dem Rechner verlässt, ist selber schuld. (fb)







Wie oben bereits beschrieben, existiert in Deutschland keine ernsthafte Filmwissenschaft, und wenn es doch gewisse Ausnahmen geben mag die die Kollegen vom Hamburger CineGraph-Projekt  mit ihrem an sich verdienstvollen legendären Ringbuch-Lexikon, so sind sie ideologisch indoktriniert. Entsprechend ist die Lage der Archive.

Man stelle sich einmal vor, die Museen der Welt würden ihre wertvollen Gemälde und Aquarelle abhängen, irgendwo dem Verfall preisgeben und stattdessen gerahmte Nachdrucke präsentieren. Genau dies geschieht derzeit mit den Beständen alter 35mm-Spielfilme, in diesem unserem Land jedenfalls. Wie wir berichteten, hat das Berliner Bundesarchiv seine 35mm-Kopieranlage seit kurzem nicht mehr in Betrieb. Dies wurde mit der abnehmenden Zahl von Spielstätten, die über analoge Projektoren verfügen, begründet, als ob dies ein Argument wäre. Stattdessen beginnt nun das DFI (Deutsches Filminstitut) mit der Überspielung alter Klassiker wie Der Greifer (1930, mit Albers) auf DCP. Sie meinen es gut, ohne Zweifel. Dennoch wird hier nun einmal die Tendenz zum Aussterben einer ganzen Kunstform betrieben, Filmstreifen und digitale Datei sind nicht dasselbe, weder technisch noch ästhetisch.
Die Franzosen fertigen nach wie vor von jedem, auch neuen Film, den sie für bewahrenswert halten, eine 35mm-Kopie an, und sie wissen warum: Abgesehen von der digitalen Entfremdung des Film-mediums von sich selbst hält überdies ein guter Filmstreifen hundert Jahre und länger, bei Digi-Speichermengen ist dies noch längst nicht erwiesen. (ama)





Dienstag, 17. April 2018

Ab Donnerstag im Kino








Zunächst auf ein Wort in eigener Sache

Das Film Mäg erscheint bekanntlich in Köln, einer vor allem als Fernseh-, Film- und Radiostandort bekannten Medienmetropole. Im Bereich Printmedien ist die Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger in der Stadt marktführend bis beinahe -beherrschend, erfreut sich auch bundesweiter Beachtung, wenngleich nicht in dem Maße wie die Süddeutsche, der Berliner Tagesspiegel oder die FAZ. Daher gehen die Presse- bzw. Mediendienste zumindest teilweise davon aus, in Köln seien die Pressevorführungen nicht so relevant, obwohl auch die Kollegen von Fern-sehen und Radio gern die PVs, wie sie kurz genannt werden, besuchen. Die Dienste haben offenbar keine Kenntnis darüber, dass in diesen Massenmedien ebenfalls Filmtipps und ausführliche Kritiken gesendet werden. So kommt es mal wieder dahin, dass ein wichtiger oder zumindest ob seiner erwartbaren Wichtigkeit zu prfender Film in Köln keine PV erhält, der von Clint Eastwood inszenierte 15:17 to Paris.

Dieser schon wiederholt von Kollege Uwe Mies aufgezeigte Mißstand  ließe sich theoretisch dadurch umgehen, dass man a) den Pressedienst um Zusendung einer Ansichts-DVD oder BluRay bittet oder b) einfach eine der Raubkopien ansieht, die meist gerade bei interessanteren Filmen schon Wochen vor dem offiziellen Kinostart im Netz kursieren. Jedoch ist a) sehr umständlich und zeitraubend, zwingt zudem Journalisten in die Lage von Bittstellern, obwohl eigentlich die Gegenseite sich zu entschuldigen hätte, und b) ist illegal.
Mag sein, dass in Köln manches im Argen liegt, etwa bei der Kabarettistin Sigrid Fischer, die sich für eine Journalistin hält und irgendwie mal an einen Presseausweis kam, obwohl sie ein nur schwer erträgliches White-Trash-Deutsch murmelt. Dies ist jedoch kein spezifisch Kölner Mißstand, auch manche "Kolleginnen" und "Kollegen" aus Berlin und anderswo wird deutscher Sprache permanent Gewalt angetan.

Den Pressediensten ins Stammbuch: Eher schon typisch Köln ist der Qualitätsjournalismus von Leuten wie Mies, meinem Namensvetter Frank Olbert und mit Verlaub dem Vernehmen nach von mir, geschrieben und gesprochen. Wer die von mir verfassten Rezensionen lesen will, muss ein Heft erwerben, diese Webseite soll bekanntlich "nur" Lust auf das auf Papier gedruckte, mittlerweile im 11. Jahrgang, wecken.
Hier also nur kurz zu den anderen Filmen, die ich sehen konnte: Lady Bird von Greta Gerwig, die erstmals Regie ohne Co-Regisseur führte, ist wieder mal so amerikanisch, dass eine Individualistin wie die hier gezeigte, autobiografisch gefärbte Heldin in unseren Breiten schion mal gar nicht möglich wäre, sie erscheint uns Deutschen wie ein Alien, bei den Amis gehen nicht erst seit Trump die Uhren anders. Unterm Strich sehenswert. Die Pariserin - Auftrag Baskenland hingegen ist eine französische Komödie, der man leider Gottes bescheinigen muss, dass sie auf diesem uninspirierten Niveau auch aus Deutschland hätte kommen können - beinahe. Der Charme von Hauptdarstellerin Elodie Fontan rettet das Epos halbwegs.


Solange ich atme hätte eine schöne britische Romanze werden können, aber dass der Held schließlich gelähmt wird, ist einfach too much, da hätte etwas script doctoring noch helfen können; dennoch einigermaßen sehenswert.
Kindheit aus dem benachbarten Norwegen ist wieder mal ein Dokumentarfilm, der nicht dokumen-tiert (Regie Margreth Olin). Man erfährt weder, dass hier eine norwegische Waldorf-Schule vorgestellt wird, noch das Hauptanliegen des Films, die Kinder eben so weit als möglich sich selbst zu überlassen, hier beim Spielen unter freiem Himmel. Akzeptabel, weil die Kinder vor der Kamera nterhaltsamer agieren als unsere beamteten Stadttheatermimen. (fb)




Gesichter, die uns auffielen: Edward Andrews




Mir blieb dieser wunderbare Schauspieler vor allem in seiner Rolle in Leih mir deinen Mann in Erinnerung, dem einzigen richtigen Hollywoodfilm mit Romy Schneider. Kürzlich sah ich ihn in einer Folge von Unwahrscheinliche Geschichten (Twilight Zone) in der zentralen Hauptrolle als Durchschnittsbürger, der Fahrerflucht begeht, dessen Versuch zu vergessen aber nicht gelingen will, die Tat wird ihm wiederholt von unheimlichen Visionen aufs Butterbrot geschmiert. Keine der allerbesten Folgen der Serie, dennoch sehenswert. Andrews war ein Schauspieler, der sowohl komödiantisch als auch - wie hier in der Fernsehrolle - todernst agieren konnte, ein Profi halt, mit einem eher durchschnttlichen Gesicht, das dennoch Wiedererkennungswert besaß.

Seine Karriere ist last not least ein Beispiel für die damalige US-Praxis, Schauspielern im TV Hauptrollen zu geben, auch wenn sie im großen Kino-Mainstream nur oder überwiegend Nebenrollen erhielten; wie dankbar muss Anne Francis damals für die Serie Honey West gewesen sein. Als seine wichtigste Rolle empfand der Vater dreier Kinder angeblich seinen Part in Richard Brooks´ Elmer Gantry, sehenswert eben nicht nur wegen Hauptdarsteller Burt Lancaster. Ein Kabinettstück besonderer Art bot Andrews als Vertreter des US-Außenministeriums in Billy Wilders später Komödie Avanti Avanti!.