Dienstag, 31. Juli 2018

Ein Geburtstagskind wird 100: Artur Brauner




            Immer gern Charmeur: Artur Brauner hält Inga Grömminger von der BZ  bei einem Besuch in seiner Villa im Arm.                                                          


von Frank Blum


Morgen ist es also so weit, die lebende Filmlegende Artur "Atze" Brauner wird 100 Jahre alt. Zähigkeit hat er ja immer schon bewiesen, diese Eigenschaft ist ohne Zweifel eines seiner Hauptcharakteris- tika bei einem ansonsten höchst differenzierten, um nicht zu sagen widersprüchlichen Persön- lichkeitsbild.
Sein Hauptverdienst besteht sicherlich vor allem darin, mit der CCC-Firmengruppe während der Nachkriegszeit im öffentlichen Bewusstsein einen Kino-Mythos geschaffen zu haben, wie ihn sonst als Institution nur noch die UFA bot, und diese operierte damals längst nicht so glücklich.

Abgesehen von der Autorin des Katalogs zur Brauner-Ausstellung einst in Frankfurt bin ich der Einzige, der sich die Mühe machte, eine Biografie zu Papier zu bringen, und dies übrigens zum großen Teil wörtlich, zu Papier, allein schon um der Gefahr des versehentlichen Löschens am PC zu entgehen, aber auch weil es mir einfach angenehmer ist. Mehrere Jahre lang habe ich daran gearbeitet, nicht als Auftragswerk, sondern aus Bewunderung für die Persönlichkeit Artur Brauner, und er ist ja auch weißgott ein dankbares spannendes Thema; zunächst im Vertrauen auf eine persönliche Begegnung, die er mir versprach, und ich war so naiv dies ernst zu nehmen-

Dann aber mit tagelangen Studien im Frankfurter Brauner-Archiv, wo sich nahezu die gesamte Geschäftskorrespondenz der CCC-Firmengruppe seit 1946 befindet, und dreimal durfte ich auch die damals noch nicht sanierten, halb verrottet wirkenden Studios in Haselhorst besuchen. Die damals von mir ge- machten Fotos und Filmaufnahmen des Geländes haben also mittlerweile historischen Wert, von den Fotos kam eine Auswahl ins Buch.


Die Brauners  -  ein Clan mit umgekehrtem Düsenantrieb

Übrigens war Frau Dillmann, die Katalogautorin, tatsächlich einmal bei Brauners in der Grunewalder Villa zu Gast, kam aber zu der Feststellung, dass der Erkenntnisgewinn nur gering war, da Brauner sich ihr gegenüber nie wirklich offen gab; ihr Resümee lautete: "Artur Brauner ist nicht zu fassen." Es blieb auch bei ihr, was den privaten Brauner betrifft, nur bei Näherungswerten, so gesehen habe ich also wohl gar nicht viel verpasst.

Obwohl mir Brauners Privatsekretariat schriftlich bestätigte, er wünsche sich die Fertigstellung meines Buches, wurde das Projekt von Alice und Sharon Brauner regelrecht sabotiert. Da hieß es die Nerven behalten, bloß nicht die beleidigte Leberwurst spielen, die Menschen sind halt so wie sie sind und die ganze Familie Brauner zeigt sich halt gerne von der exaltierten Seite, diplomatisch formuliert.

Sie ist, wie die Japaner so schön sagen, eine "Familie mit umgekehrtem Düsenantrieb". Ein Beispiel: vor ungefähr 10 Jahren durfte Alice Brauner die operative Geschäftsführung weitgehend überneh-men, obwohl sie weder von der künstlerischen noch von der geschäftlichen Seite des Filmwesens sonderlich beleckt war, der Hausherr folgte einfach dem dynastischen und nicht dem Kompetenz- prinzip - das muss man sich leisten können, aber er ist ja auch Multimillionär.Was sonst im Detail noch mit "umgekehrtem Düsenantrieb" damit gemeint ist, habe ich bereits im Buch ausführlich geschildert.

Eigentlich sollte spätestens in dieser Woche eine neue überarbeitete Auflage erscheinen, was aufgrund meiner Krankheit nicht zu schaffen war, nun ist Oktober-November vorgesehen, um nicht zuletzt den Karl May- und den Wallace-Fans die Möglichkeit zu geben, sich oder anderen mein Werk zu Weihnachten zu schenken. Es wird mehr als 500 Seiten haben, wieder mit zahlreichen Abbil-dungen und etwas größer als A4 hoch.


Alles Gute zum Wiegenfest, lieber Atze, und bleiben Sie weiterhin so zäh wie immer, dann winken Ihnen noch viele schöne Jahre.

Morgen bin ich übrigens um ca. 17.15 Uhr im Radioprogramm von Radio Bremen zu Gast, um über Brauners Leben und Werk zu erzählen.
















Entwurf zum Umschlag der 1. Auflage, später leicht geändert.












Sonntag, 29. Juli 2018

Demnächst im Kino: Christopher Robin






Zu Weihnachten bringt Disney eine Art Sequel von Mary Poppins heraus, in dem die Kinder Jane und Michael erwachsen geworden sind. Dem gleichen Schema folgt nun Christopher Robin, der gleichnamige humanoide Spielkamerad von Winnie Puh hat mittlerweile selbst eine Tochter und wird verkörpert vom sympathischen Ewan MacGregor. Über weite Strecken recht ernst, erscheint es aber doch gerade bei Filmen aus dem Hause Disney wohltuend, dass nicht von A bis Z die heile Welt vorherrscht. Mehr im Heft. Kinostart am 16. August.



Mittwoch, 18. Juli 2018

Gesichter, die uns auffielen: James Doohan






Einer weit verbreiteten Auffassung zufolge ist das Darstellen zwielichtiger Charakteer weitaus schwieriger für einen Schauspieler als das Spielen eines Good Guy, und wer keinen richtigen Bösewicht gespielt hat, ist auch kein guter Schauspieler. Damit folgt man freilich jener Theorie, der Mensch sei von Natur aus gut, der Künstler müsse sich also erst gar nicht angestrengt verstellen. Schon deshalb erscheint das generelle Postulat fragwürdig.
Aber lassen wir einmal die Frage, ob Schauspieler-Ich und Rollen-Ich ident sind oder nicht, außer acht. In der Raumschiff Enterprise-Folge Der Wolf im Schafspelz wird Scott, genannt Scottie, Chefingenieur der Enterprise, als Mörder verdächtigt, man findet ihn sogar mit der Mordwaffe in der Hand, einem Dolch. Es geschehen noch zwei weitere Morde, und wieder wird Scottie verdächtigt. Ich habe schon Tausende ähnlicher Szenen in Fernseh- und Kinofilmen gesehen, aber noch nie war ich von Anfang an von der Unschuld Scotties so felsenfest überzeugt wie im Falle von Scottie, und ich bin durchaus kein orthodoxer Trekkie-Fan, wenngleich mir der B-Film-Charme dieser frühen Episoden gefällt.

Die Art und Weise, wie der kanadische Schauspieler James Doohan als Scottie auf den Vorwurf reagiert, einen Mord begangen zu haben, wie er seine Unschuld beteuert, auch diese Art und Weise muss man spielen können. Als Zuschauer entfuhr mir beim ersten Sehen der DVD mehrfach der Ausruf "Der arme Scottie!" Der Künstler muss es vermitteln können. Auch wenn er selbst im realen Leben nicht anders handeln würde, bleibt es dennoch eine Aufgabe, dies vor der Kamera glaubhaft "rüber zu bringen".
Es besteht gar kein Zweifel: dieser Mann könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun (oder einer Fliege vielleicht doch?) , wobei er alles andere als ein gutmütiger Depp ist, er arbeitet als Chefingenieur eines Raumschiffes mit vierhundert Mann Besatzung (man sieht allerdings immer nur nur die Führungscrew auf der Brücke, draußen auf den Gängen allenfalls noch vier oder fünf Statisten, die herumlaufen; es war eine Fernsehserie), und alle Trekkies wissen: sind Kirk und Mister Spock nicht an Bord der Enterprise, so übernehmen entweder Mister Sulu oder eben Scottie (in der 2. Staffel war Scottie dreimal an der Reihe) das dortige Kommando, das er auch in gefährlichen Situationen souverän meistert.

Scottie (Doohan) und Leutnant Uhara (Nichelle Nichols)

Der Name Doohan klingt so ähnlich wie der des schottischen Kollegen Patrick McGoohan, aber Scotties Eltern waren benachbarter irischer Abstammung (nicht sehr ungewöhnlich, schließlich gibt es auch bei uns Rheinländer mit typisch westfälischen Namen), in der Originalfassung sprach james Doohan die Rolle mit schottischem Akzent. Als junger Soldat war Doohan 1944 bei der Landung der Allierten an der französischen Küste mit dabei und behielt aus der Kriegszeit leichte gesundheitliche Probleme. Dreimal war Doohan verheiratet und ausgerechnet die dritte Ehe, die mit dem größten Altersunterschied, hielt am längsten. Mit 54 heiratete er einen seiner glühendsten Fans,  ein 18jähriges Mädchen. In den späten Star Trek-Kinofilmen trug er einen Bart, der ihm zwar gut stand, ihn aber noch älter machte und Erachtens auch von der Rolle des Scottie etwas entfremdete - und natürlich hätte er vor allem schlank bleiben müssen. Schade auch, dass der zum geflügelten Wort mutierte Satz "Beam me up, Scottie" zu den bekannten geschmacklosen Witzen führte, die mit der Serie nichts zu tun haben.
In seiner späteren Karriere fand Doohan wie so viele Kollegen, die mit einer singulären Serienrolle berühmt wurden, keine weiteren ähnlich markanten Parts mehr. Indes wird er für den durch Enterprise bzw. Star Trek entstandenen Weltruhm genossen haben. James Doohan starb als schwer kranker Mann 2005, im Alter von immerhin 85 Jahren. Er inspirierte nicht nur tausende Jungs dazu, Ingenieur werden zu wollen, er war, ähnlich wie Käpt´n Kirk und die anderen, wie jeder auf seine persönliche Weise eine lebende Motivation, an die gute Seite im Menschen zu glauben, und das ist schon eine ganze Menge. (fb)




Ab morgen im Kino

Einziger wirklich sehenswerter Film unter den neuen ist natürlich Endless Poetry, ein autobio- grafisches Spätwerk von Alejandro Jodorowsky. Wie das Leben so spielt: Jodorowsky und Audie Murphy hatten beide das seltene Privileg, sich in Biopics selbst spielen zu dürfen, nur die Phasen als Kind und Jugendlicher mussten sie freilich abgeben.
Bei der endlosen Poesie, wie es besser hätte übersetzt werden sollen, gibt es einige verstörende, auch unappetitliche Szenen, aber so ist Surrealismus nun mal. Jodorowsky ist Surealist. (ama)





Sonntag, 8. Juli 2018

Robby Müller gestorben





Jener Kameramann, den ich irrtümlich immer für einen Deutschen hielt, ob seines archetypisch deutschen Namens und weil er seine Karriere in Deutschland begann, war Holländer. Dort wurde er geboren und ist nun im Alter von 78 Jahren in Amsterdam gestorben. Anders als Gerhard Vandenberg, bei dem er nach seiner Ausbildung assistierte, entwickelte Robby Müller keinen eigenen "Stil", was auch nicht unbedingt die Aufgabe eines Kameramanns ist, er war einfach ein hervorragender Mann in seinem Beruf. Wim Wnders, Jim Jarmusch und Lars von Trier waren nur drei seiner zahlreichen Regisseure.
Also war Michael Ballhaus doch unser einziger Kameramann in Hollywood. Und hierzulande? Der Sohn Florian Ballhaus hat gerade den Deutschen Kamerapreis erhalten. Dass er überhaupt in diesem begehrten Beruf problemlos Fuß fassen konnte, bestätigt wieder einmal die Vitamin-B- und Mafia- strukturen im deutschen Film und Fernsehen; Talent vererbt sich nicht automatisch, schon gar nicht bei Familie Ballhaus. (ama)




Stimmen, die uns auffielen: Christina Hoeltel


Und nun rasch wieder zu den Lebenden. Die in loser Folge präsentierten Gesichter, die uns auffielen werden ab heut ergänzt mit einer den Stimmen von Darstellern gewidmeten Reihe.

Der Jazzexperte Joachim F. Behrendt wußte es schon: Audio ergo sum. Ich höre, also bin ich. So relevant das Sinnesorgan Auge auch sein mag, das Ohr sollte man nicht unterschätzen. Für mich - und ich dürfte beileibe kaum der Einzige sein - gebührte gleich neben Margot Leonard auch Christina Hoeltel (mitunter Kurzform Tina) schon immer ein Thron auf den Olymp der schönsten weiblichen deutschen Synchronstimmen, unbeschreiblich weiblich im wahrsten, notabene auch erotischen Sinne. Das Unverwechselbare im Klang ihrer Stimme basiert auf dem nur scheinbaren Widerspruch eines mitunter markant burschikosen Sprachduktus einerseits und des doch eindeutig weiblich-sinnlichen Timbres andererseits, und dies beruhte nicht auf forcierter Verstellung, das hat sie nicht nötig, es ist Hoeltgens Naturton.

Wenngleich manchen Männern das Singuläre dieser Stimme zu ungewohnt, zu pittoresk erscheinen mochte, hat sie aber doch wohl den Großteil ihres männlichen Publikums eher verzaubert. So wie Margot Leonard dazu geboren war, der Monroe, Diana Rigg  und anderen großen Kolleginnen ihre Stimme zu "leihen", wie es immer so schön heißt (besser: den Rechteinhabern zu verkaufen), so war Christina Hoeltel die beste Wahl bei Jessica Lange, Heather Locklear, lustigerweise sprach Hoeltel auch den Scooter in der Muppets Show, wo sie das lebhaft Burschikose ihrer Stimme voll einbringen konnte, ferner hörte man sie in Jäger des verlorenen Schatzes und Harry Potter, und neben vielen anderen Serienheldinnen sprach sie Erin Gray, den weiblichen Star in der Science Fiction-Serie Buck Rogers   -  umso ärgerlicher dann der plötzliche Wechsel, wenn in manchen Folgen von Serien plötzlich eine andere Stimme zur gleichen Rolle ertönt, aber das nur nebenbei, Schuld daran tragen nicht die Sprecher. Ausgerechnet Scooter wurde immer durchgehend von Hoeltel gesprochen, auch in den Kinofilmen, hierauf achtete man wohl des besonderen Marktwertes der Muppets wegen.




















2011 widmeten wir uns erstmals dem          Thema Synchro.




Mit Margot Leonard teilt Tina Hoeltel die Entwicklung ihrer Karriere, offenbar zu selten aus den Synchronstudios herausgekommen zu sein, um noch in den ganz großen Hauptrollen VOR der Kamera oder, ebenfalls bedauerlich, in Hörspielen auftreten zu können. Ansonsten gibt es keine näheren Angaben zu ihr, weder im Netz noch in der Fachliteratur, außer mageren Hinweisen wie dem, dass sie schon als Kind mit der Arbeit als Sprecherin begann. Ihre Jugendlichkeit bewahrte sich Tina bis ins fortgeschrittene Alter und konnte so später oftmals Kolleginnen synchronisieren, die viel jünger waren als sie selbst.

Mittlerweile geht sie auf die 70 zu (geboren am 28. Dezember, wie Friedrich Wilhelm Murnau, Walter Ruttmann, die Knef und mit Verlaub auch ich, die Sterne meinten es gut mit uns), ist noch immer aktiv und kann vermutlich ein Lied davon singen, wie sehr sich die Arbeitsbedingungen für Synchron- sprecher in den letzten Jahrzehnten verschlechtert haben.
Früher war die deutsche Synchronisation bei den Auftraggebern auch im Ausland für ihre Qualität berühmt, die Schauspielerin hatte daran mit ihrer unverwechselbaren, lebhaften und  ausdrucks- starken Stimme entscheidenden Anteil.
Ganz generell machte sich halt damals die echt deutsche Begabung für Gründlichkeit und Ge- nauigkeit bis in die 80er Jahre hinein bezahlt. Aus verschiedenen Gründen, u.a. weil nun alles so rasend schnell gehen muss, hat sich dies geändert; was sich heute Synchronisieren nennt, ist oft nur noch Voice-Over.

Lange habe ich gerätselt, was Fellini nur an dieser Giulietta Masina so toll gefunden haben mochte, als er sich in sie verliebte. Eines Tages erfuhr ich es: sie war damals Radiosprecherin und Fellini war hin und weg, als er ihre Stimme hörte. Christina Hoeltel hat nicht nur eine völlig unverwechselbare Stimme, sie ist ebenfalls von der Art, dass man die Frau allein ihrer Stimme wegen hätte heiraten wollen  -  eine aparte Schönheit ist sie noch außerdem. Wir wünschen alles Gute für die kommenden Lebens- und Arbeitsjahre. (fb)

Aus rechtlichen Gründen hier leider kein Foto von Christina Hoeltel.






Mittwoch, 4. Juli 2018

Demnächst im Kino: Nico, 1988






Anfang der 70er meinte Curd Jürgens in dem ihm gewidmeten Fernsehfeature Ansichten eines Stars, es sei doch "eine Schande", dass wir Deutsche auf Visconti warten mussten, bis eine Verfilmung von Thomas Manns Tod in Venedig in die Kinos kam, was freilich nicht gegen Visconti gerichtet war, sondern gegen die Unfähigkeit der Deutschen zu dergleichen. Viel hat sich seitdem nicht daran ge-ändert, dass deutsche Kultur und deutsche Künstler im Ausland engagierter rezipiert werden als im eigenen. Und so gab es bislang außer der Doku Nico Icon auch noch nicht viel über jene Frau, die sich einfach Nico nannte.

Nico war weit mehr als nur ein ehemaliges Model (einer ihrer ersten Fotogtrafen in Paris, wo sie eine Weile lebte, gab ihr diesen nom du guerre) und dann Sängerin bei Andy Warhols Velvet Under-ground. Bob Dylan schrieb für sie den Song "I´ll Keep It With Mine", Leonard Cohen "Take This Lon- ging", Iggi Pop "We Will Fall" und Jackson Browne "These Days", um nur vier Beispiele zu nennen. Jim Morrison, wohl die große Liebe ihres Lebens, riet Nico, auch selbst Songs zu schreiben. Sie drehte einige Filme, Fellini wollte ihr eine größere Rolle geben, nachdem er sie bei Das süße Leben, wo sie nur eine kurze Szene hatte, kennenlernte. Es kam anders, und kontinuierliche Arbeit als Schauspielerin ergab sich im Laufe der Jahre nicht.

Aber diese Stimme! Eine der schönsten Beschreibungen stammt vom Journalisten und Buchautor Chris Strodder, "her monotonous, flat voice sounded like a sonorous foghorn echoing under cold, black water."

Als sie starb, widmete ihr die Auslandspresse lange Nachrufe, die hiesige so gut wie keine. In Köln gab es später eine Bürgerinitiative, um einen Platz oder eine Straße der Stadt nach Nico zu benennen, dies wurde vom damaligen Oberbürgermeister ausdrücklich abgelehnt.
Nun hat die italienische Regisseurin Susanna Nicchiarelli einen Spielfilm über die letzten zwei Lebensjahre der gebürtigen Kölnerin gedreht, der Titel nennt nur das letzte Jahr, Nico, 1988. Die Dänin Trine Dyrholm spielt die Hauptrolle, laut Welt kann sie "wunderschön und grausam verbraucht" aussehen. Hier ist nun eher Letzteres gefragt, denn Nico war drogenabhängig.

Leider konnte ich den Film aufgrund gewisser unschöner Vorfälle und Querelen in der Kölner Presseszene noch nicht im Vorfeld sehen und kann daher nur jedem Interessierten empfehlen, sich selbst ein Urteil zu bilden. Kinostart in Deutschland ist am 18. Juli. (fb)


Andy Warhol, Nico




Zensur im Internet




Am kommenden Freitag debattiert das Europäische Parlament neue Gesetze zum Schutz von Urheber- und sonstigen Rechten im Internet. Dies könnte zum wiederholten Male Zensur bedeuten und auch die publizistische Freiheit des Projekts, das sie gerade lesen und das seit elf Jahren existiert, gefährden. So legitim die Absicht grundsätzlich auch sein mag, es wird den vorliegenden Quellen zufolge das notwendige grundsätzliche Differenzieren von kommerzieller und nichtkom-merzieller Nutzung weiter erschweren.

Dass wir alle überwacht werden und imgrunde  längst im Vierten Reich sind, ist nichts Neues. Ein wenig Milderung bietet offenbar die auch von mir privat genutzte holländische Suchmaschine Startpage.com, gottlob zumindest ein Europäer. Dies soll aber keine unbezahlte Werbung sein, denn Startpage hat mindestens zwei Nachteile: bei Eingabe von Suchbegriffen sind die auf dem Bildschirm erscheinenden Ergebnisse längst nicht so umfangreich wie bei Google, was besonders bei Bildern auffällt, und die angeblich sichere Mailadresse ist kostenpflichtig, was sich mancher nicht leisten kann, schade. Bei der Recherche bin ich nicht selten gezwungen, mit der Faust in der Tasche und zähneknirschend zu Google zu wechseln, wo alles was man tut automatisch gespeichert wird.

Angesichts der gesetzlichen Entwicklung kann man den im Internet recherchierenden privaten und nichtkommerziellen (!) Nutzern nur raten, so viele Texte und Bilder wie möglich herunterzuladen, ehe eine Zensurlage eintritt wie bei Orwell und Hitler zusammen, es fehlt nicht mehr viel. Und hoffen, dass die sogenannten Abgeordneten übermorgen schon zu sehr in Wochenendstimmung sind, um da noch großen Druck zu machen. (ama)







Donnerstag, 28. Juni 2018

Fußball-WM: Jogi Goes Murphy






Am Ende des gestrigen Spiels gegen Südkorea waren in Deutschland wohl die Redakteure der Tageszeitungen die einzigen nicht völlig Frustrierten (neben den Belegschaften der deutschen Sam-sung-Werke etc., dort hat man eher gejubelt): Wegen des frühen Beginns um 16 Uhr hatten sie nicht den üblichen Zeitstress, sondern konnten mit ein paar Stunden mehr gesegnet etwas sorgfältigere Texte schreiben. So ganz unerwartet kam das frühe Ausscheiden nur für die grenzenlosen Opti- misten, war doch die Leistung in den Spielen der letzten Monate generell nicht allzu berauschend.

Es ist eben möglich. Es kann auch einmal sein, dass wir eben NICHT ins Viertelfinale und ins End-spiel kommen, diesmal auch nicht ins Achtelfinale. Das Murphy´sche Gesetz besagt: Alles was schief gehen kann, geht halt auch irgendwann einmal schief. Dabei ist diese Weisheit imgrunde nur, wie so viele Natur- und juristische Gesetze, eine mathematisch nicht beweisbare Mutmaßung, eine philoso-phische These, die aber etwas für sich hat. Der Mensch ist fehlbar und diese Welt ist fehlbar, wäre dies nicht so, dann hätten wir ein ausgesprochen steriles Dasein. Und so haben wir uns gestern halt blamiert wie zuletzt (dem Vernehmen nach, ich bin kein Fußballexperte) 1938 gegen die Schweiz. Als alter Godzilla-Fan gönne ich freilich den Südkoreanern ihren Sieg, weil sie so ähnlich aussehen wie Japaner, eher klein, schlitzäugig und feingliedrig. Das Ausland weidet sich derweil an seiner Scha- denfreude und daran, dass auch in Deutschland, wo Gründlichkeit und Genauigkeit erfunden wurden, nicht immer alles richtig läuft, dass  jüngst gar ein halbes Jahr zur Regierungsbildung benötigt wurde  -  und nun das, der Fußballweltmeister fliegt schon nach dem dritten Spiel hinaus. Italien und manch andere Ex-Weltmeister hatten bereits in der Vergangenheit erleben müssen, kurz nach Beginn aufzugeben, nun also wir.
Immerhin, viermal sind wir seit 45 Weltmeister gewesen. Spielen wir also nicht die beleidigte Leberwurst, seien wir nicht pessimistisch wie Mister Murphy, sondern lieber optimistisch und zu- versichtlich wie Murphy Brown. (fb)



                                      Shay Laren





Dienstag, 26. Juni 2018

Gesichter die uns auffielen: Kurt Pratsch-Kaufmann





Es ist eine alte Weisheit, dass am Theater und im Spielfilm Nebenrollen dramaturgisch ebenso wichtig sind wie Hauptrollen, eins muss sich in das andere fügen, die Bezeichnung Nebenrolle ist somit eigentlich ungerecht abwertend. Der Schauspieler Kurt Pratsch-Kaufmann war als Charakter- darsteller, Kabarettist, Komiker, Parodist, Sänger, Conferencier, und Synchronsprecher nicht nur ungewöhnlich vielseitig, sondern auch ein Gesicht mit Wiedererkennungswert und hatte es bei allem Temperament nicht nötig, sich ostentativ in den Vordergrund zu spielen.

Als Sohn einer Tänzerin am Dresdner Hoftheater (Sachsen war bis 1918 de jure noch ein Königreich innerhalb des Deutschen Reiches) kam er früh mit der Bühne in Kontakt. An dieser Stelle kann man seine zahlreichen Rollen nicht aufzählen, die er an kleinen und großen Theatern, in Operetten, bei Film und Fernsehen spielte. Stellvertretend seien hier zwei bzw. drei Bühnenrollen genannt: der Hauptmann von Köpenick sowie der Vater von Eliza Doolittle, der im Musical My Fair Lady das Lied "Hei, heute morgen mach´ ich Hochzeit" schmettert. Jahrelang trat Pratsch-Kaufmann in dieser Rolle in Berlin auf, wo er auch oft vor der Filmkamera stand und in den 30er Jahren erstmals aufgetreten war, unter anderem im legendären Kabarett der Komiker. Berlin wurde seine künstlerische Heimat, dort errang er besondere Popularität, das Publikum nannte ihn liebevoll "Pratsche". Eine Hauptrolle am Theater hatte er vermutlich (wie so oft gibt es keine genauen Quellen) in Hello Dolly, mitgewirkt hat er auf jeden Fall, über 300 Mal, aber in welcher Rolle??? Nix Genaues erfährt man nicht, und ich bin Theaterwissenschaftler; aber es dürfte der Horace Vandergelder gewesen sein, die im Film von Walter Matthau gespielte und gesungene männliche Hauptrolle.

Von seinen wenigen ernsten Filmen ist wohl Das Totenschiff nach B. Traven, damals unterschätzt, der filmhistorisch bedeutendste. Für mich als Kind in den 70er Jahren war der Künstler in seinen späten Rollen noch ein vertrautes Gesicht in Film- und vor allem Fernsehrollen; meist als patenter Kerl, dem man sofort den berühmten Gebrauchtwagen abkaufen würde. Bei meinen Recherchen entdeckte ich gestern, dass Pratsch-Kaufmann am 24. Juni 1988, also vor fast genau 30 Jahren verstarb. Ein Grund mehr, an ihn zu erinnern und zu fragen, wie viele Mimen von seiner Qualität und Bandbreite wir heute wohl noch haben, die Zahl ist überschaubar. (fb)






Freitag, 25. Mai 2018

Rätsel





Was hatten Luchino Visconti und Helmut Ringelmann gemeinsam?

Auflösung am Postende.



DVD-Tipp



Die Deutschen machen es ihren Stars nicht leicht. Hardy Krüger darf noch immer ungestraft "NS-Eliteschüler" bezeichnet werden und es darf offen bleiben, ob damit seine Rolle in Junge Adler gemeint ist oder er selbst. Umso erfreulicher, dass nun als wohl eher zufälliges nachträgliches Geschenk zum 90. Geburtstag, die von ihm gestaltete Dokumentarserie Weltenbummler, die von 1987-95 in der ARD gezeigt wurde, als DVD-Edition erscheint.

Krüger "bummelte" nach Alaska, in die Antarktis, nach Südindien, Australien, traf in Neuseeland den letzten dortigen Goldsucher etc. etc. Das oben abgebildete "Volume Eins" (deutsche Sprache schwere Sprache) enthält die ersten zehn Folgen, verteilt auf 3 Scheiben, ergänzt durch einen Portraitfilm des beliebten Schauspielers, der auch international ein Star wurde. Mir liegt leider kein Rezensionsexemplar vor, und so kann ich nur mein Gedächtnis bemühen; zwei oder drei Folgen sah ich bei einer Wiederholung und mir fiel sofort der sympathische unprätentiöse Ton Krügers auf, wenn er seinen Kommentar aus dem Off sprach. Das war was Anderes als der etwa von Klaus Bednartz bei dessen Schulfunk-Erkundungen in der weiten Welt - vielleicht weniger intellektuell, aber auch nicht so hochnäsig und dröge. Und ich muss mein Bedauern darüber vermerken, dass nicht gleich zur BluRay-Technik gegriffen wurde. Ein schwerer Fehler, man wollte wohl Kosten sparen, tat sich damit aber keinen Gefallen. Geplanter Verkaufsstart der ersten Box ist am 17. August.



Ab Donnerstag im Kino





Fast nur Schrott, wie üblich. Am Sehenswertesten ist von den Spielfilmen Feinde - Hostiles, so jedenfalls meine Einschätzung mit Vorbehalt, denn ausgerechnet diesen Film konnte ich noch nicht sehen, indes wäre ich auch befangen, denn ich mag Rosamund Pike außerordentlich. Der Western als kontinuierliches Genre ist seit  40 Jahren nicht mehr existent und doch erscheint immer mal wieder ein solches Werk, da es nun mal die archaische amerikanische Folklore ist. Es geht einen Offizier (Christian Bale), der am Ende des 19. Jahrunderts einen Indianerhäuptling eskortieren soll, was er anfangs nur widerwillig tut. Bale und Pike lassen erwarten, dass sich der Film auch mit mehr als zwei Stunden Länge lohnt. Hostiles heißt übrigens laut Langenscheidts Wörterbuch nicht Feinde, sondern zunächst mal primär Feindschaften. Feind heißt in der Regel Enemy. Andererseits steht aber auf dem Originalplakat "We are all ... Hostiles". Nix Genaues weiß man nicht, wie so oft .....

Und das Plakat (unten) ist wieder mal viel toller als das  deutsche, warum haben sie das Motiv nicht übernommen? Weil sie keine Ahnung haben. 




Von den anlaufenden Dokus ist ein neues Werk von Agnes Varda, Augenblicke: Gesichter einer Reise interessant. Näheres hierzu und zur regisseurin, die am Dienstag 90 Jahre alt wird, im Heft.



Räume gesucht

Louise Brooks (Mitte), Kollegnnen, 1927

Die Akasava Lichtspiele suchen seit längerem eine neue Spielstätte und wollen künftig nicht mehr Untermieter bei einem anderen Kino, sondern Hauptmieter sein. Leider gibt es in Köln kaum ge- eignete Räume, wenn es einmal schöne Säle gab, so fielen sie weitgehend im Krieg den Bomben zum Opfer. Dafür wurden dann in der Nachkriegszeit Tausende kleiner spießiger Ladenlokale gebaut. Wer dennoch eine Idee hat, möge sich melden.



Oscar der freundliche Cineast



"Der Unterschied zwischen Geschichtsforschung und Filmgeschichtsforschung: Bei der ersten geht es um Dinge wie den Bruch zwischen Stalin und Leo Trotzki, bei der zweiten um den zwischen Desiree Barclay und Teresa Orlowski."



Des Rätsels Lösung



Beide haben Schauspieler in Rollen besetzt, die ihrem Image widersprachen. Ringelmann gab Erik Ode die Hauptrolle in Der Kommissar spielen, obwohl er das Image des eher heiteren Boulevard- schauspielers hatte. Visconti gab Laura Antonelli die ernste Rolle in seiner D´Annunzio-Verfilmung Die Unschuld, bis dahin war sie ein Star im italienischen Genre Commediasexy gewesen.




Montag, 14. Mai 2018

Filmkritik - ab Donnerstag im Kino





Der mit Abstand sehenswerteste, an dieser Stelle schon im April hochgelobte Film unter den am Donnerstag anlaufenden ist Nach einer wahren Geschichte, der hoffentlich nicht letzte neue Film von Altmeister Roman Polanski. Die Geschichte zweier Frauen, wobei die eine (Eva Green) sich der andere (Emmanuelle Seigner) charmant-freundlich aufdrängt und diese schließlich zu domionieren trachtet, wird mit einer subtilen Meisterschaft gestaltet, die wieder mal den Unterschied zum Niveau der meisten jüngeren Regisseure offenbart. Alles Nähere im neuen Heft.  -  Den Rest kann man getrost vergessen, vor allemwie üblich die beiden deutschen bzw. deutsch-französischen Machwerke.

Maria by Callas hingegen ist nur für die Callas-Aficionados Pflicht, und die Behauptung der Werbung, es sei ein absolut neuer Weg, dass sämtlicher Text von der beschriebenen Person selbst stammt, ist natürlich Unsinn. Dergleichen gab es in Deutschland schon spätestens Anfang der 70er, alswo vor fast einem halben jahrhundert, aber das weiß Regisseur Tom Volf natürlich nicht, weil die deutsche Apres-Goebbels-Mediengeschichte im Ausland nicht zur Kenntnis genommen wird.




Gesichter, die uns auffielen: Heidrun Hankammer




Der kürzlich verstorbene  Produzent und deutschstämmige Schweizer Erwin C. Dietrich war der einzige,der Heidrun Hankammer eine größere Rolle gab, in einen Film, der besser ist als sein Ruf, Die Nichten der Frau Oberst, frei nach Maupassant in die Gegenwart von 1968 verlegt, und im Fortsetzungsfilm. Sieht man sich den ersten Teil heute an, so fallen mehrere Dinge auf: dass er offenbar so gut wie nichts kostete (zudem erhielt Dietrich auch noch steuerliche Vorteile, indem der Schweizer seine Nichten offiziell als deutsche Produktion bezeichnen durfte) und dass sich die Erotik für heutige Maßstäbe in engen Grenzen hält, das Opus wirkt fast wie ein ZDF-Fernsehspiel der späten 70er oder der 80er Jahre. Hankammer überzeugt in ihrer Rolle (vorsichtshalber noch als Heidrun van Hoven) nicht nur mit langem blonden Haar und schönen Beinen, sondern mit einem angenehm zurückhaltenden und doch nicht langweiligen Schauspiel.
Wäre die damalige deutsche Filmindustrie ambitionierter und nicht so manufakturhaft-lustlos gewesen, man hätte Heidrun Hankammer zum Star aufgebaut, die Nichten waren der geschäftlich erfolgreichste Film der Saison und hätten de jure die Goldene Leinwand erhalten müssen, sie bedeuteten Dietrichs Durchbruch als Produzent. "In meiner Karriere gab es ein Leben vor den Nichten und ein Leben nach den Nichten", urteilte er später. Doch ach, "Persönlichkeit ist ncht nur in der Kunst nicht mehr gefragt", äußerte damals Elisabeth Flickenschildt, wie wahr. Und so wurde die junge Kollegin wie fast alle Nachwuchskräfte mit mehr oder weniger dankbaren Nebenrollen abgespeist, in Der Mann mit dem Glasauge, einer der schwachen späten Edgar-Wallace-Krimis, und in dem deutsch-italienischen Giallo Das Grauen kam aus dem Nebel von Duccio Tessari, aber auch hier hatte sie das Nachsehen, Co-Produzent Artur Brauner gab der von ihm protegierten Eva Renzi die größere Rolle.

Heidrun hätte in Italien bleiben sollen und dort ein Star oder Semi-Star wie Dagmar Lassander und Eva Niehaus werden können, war sie doch genau der Typ nordische Frau, dem die Italiener den roten Teppich ausrollen. Aber nein, niemand riet ihr zu, bei dem Gedanken könnte man heute noch die Krätze kriegen. Sie blieb in Deutschland, wo sie oft noch nicht mal im Vor- oder Abspann genannt wurde (was sie damals vielleicht auch nicht wollte).
So erschien sie in  Atemlos vor Liebe aka Flash-Teens im Blitzlicht und nicht zuletzt als fesches Alien in Stoßtrupp Venus bläst zum Angriff aka Ach jodel mir noch einen aka Space Girls (laut Rechmeier) aka 2069: A Sex Odyssey,. Unter letzterem Titel war das Werk jahrelang ein Hit im US-Kabelfern-sehen in einer leicht geschnittenen, aber englisch synchronisierten Fassung, diese erschien auch zuerst auf DVD. Das waren noch Zeiten, als deutsche Filme fürs Ausland eine Synchro bekamen, gelegentlich gibt es das heute noch, aber nur mit Steuergeld-Fördermitteln.

Heidrun machte den Stoßtrupp zu ihrem Zapfenstreich und beendete ihre Karriere.Wie schade, und doch in gewisser Weise verständlich. Für uns, die wir das damalige Filmschaffen weitgehend lieben, bleibt sie unvergessen. (fb)




Ratschlag für Filmbuchleser




Weniger Gehirnwäsche, bitte! 
Ein literarischer Versuch des Produzenten Nico Hoffmann: Mehr Haltung, bitte!

Es gibt seit langem eine Organisation, die weltweit nach antisemitischen Medien- oder sons-tigen Äußerungen forscht, von relativ harmlosen Auslassunen bis zur Leugnung des Holo-caust, um dann sofort zuzuschlagen, mit Gerichtsverfahren und Strafzahlungen zu drohen. Wie wäre es eigentlich, wenn die Bundesregierung oder eine NGO ein entsprechendes Institut zur Behauptung einer Kollektivschuld der Deutschen einrichtete? Es wäre nicht mehr als recht und billig und fände auch im Ausland weitgehend Zustimmung, ist jedoch in der mentalen Lage hierzulande nicht realisierbar.

Man müsste dann auch das Buch des Film- und Fernsehproduzenten Nico Hoffmann rügen. Nicht nur als Medienschaffender ist der Mann weit überschätzt, seine zahlreichen Preise basieren nicht auf eigener Leistung, die Hoffmann nur bedingt zu erbringen braucht (Näheres im Heft). Er ist auch nicht "der" UFA-Chef, wie jetzt in den anderen Rezensionen zu lesen steht, kann es nicht sein, da "die" UFA seit über 50 Jahren nicht mehr als singuläres Unternehmen und seit ca. 40 Jahren nur noch aus mehreren austauschbaren Labels besteht. Hofmanns Absicht, vor Rechtspopulismus und anderen Mißständen zu warnen, mag an sich löblich sein, doch er macht es sich hier wie allgemein üblich zu einfach. Allein schon der besserwisserische präpotente Titel Mehr Haltung, bitte! ist hier signifikant. Hofmann hat eine Art persönliches Trauma, da nicht nur sein Vater, sondern auch die Frau Mama den NS-Staat toll fand, und reagiert dies nun ab, indem auch er generalisierend vom "Land der Täter" spricht, um nur einen Aspekt zu nennen. Wir raten ab.





Dienstag, 8. Mai 2018

Tipp bzw. Anti-Tipp






In Ägypten ist ein Blogger, der auch schon mal satirische Videos auf Youtube hochlud, verhaftet worden. Dann wollen wir mal testen, wie es an dieser Stelle mit der Meinungsfreiheit bestellt ist: Mir fehlt schon lange jedes Verständnis dafür, dass der deutsche Steuerzahler, der nun schon seit Jahren den griechischen Staat durchfüttert, auch noch Griechenfilme wie den neuen über den Komponisten Theodorakis cofinanziert. Ganz generell kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass von jedem Euro, den uns der Fiskus aus der Tasche zieht, ca. 50 Cent schon mal direkt ins Ausland überwiesen werden.
Auch ansonsten fast nur Mist, was diese Woche anläuft. Der Buchladen der Florence Green ist sehenswert wegen Emily Mortimer, das war´s. Alles Nähere im neuen Heft.






Deutschland, deine Musterschüler

Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Volksvertreter verkaufen das Volk, eine alte Weisheit und nichts Neues, nur ist es in diesem unserem Land wieder mal besonders schlimm. Ein Vertreter der Bundesregierung hat heute in Genf vor einer Menschenrechtskommission Versäumnisse in der Frage der Menschenrechte eingeräumt. Warum tat er oder sie das? Es ist Aufgabe der Regierung, die Interessen des Landes zu vertreten, und dazu gehört das Aufrechnen möglicher Mißstände gegenüber Positivem, gerade auch dann, wenn es um das Image im Ausland geht.

Die heutige BRD ist nicht erst seit heute das ausländerfreundlichste Land der Welt, Ausländer genießen nicht selten mehr Rechte und finanzielle Leistungen als Inländer, so weit sind wir schon. Wir können offenbar einfach nicht von unserer falsch verstandenen freiwilligen Musterschüler-Rolle ablassen, in einem Übermaß, das im Ausland mißverstanden wird und bisweilen lächerlich wirkt, bis hin zum Protest. Ein Beispiel unter vielen waren vor kurzem die Demos in Köln und Berlin, wo hunderte Bürger mit einer Kippa auf dem Kopf agierten, um den mosaischen Mitbürgern ihre Solidarität zu bekunden, nachdem in berlin ein orthodoxer Jude auf der Straße belästigt worden war. Derlei Aktionen wie Demos mit Kippa werden von der älteren Generation in Israel und anderswo mitunter fälschlich als Versuch aufgefasst, sich endgültig vom Image des "Landes der Täter" reinzuwaschen  -  sie kennen also die deutschen Medien nicht. Aber es kommt noch ärger: Manche Juden nahmen überhaupt Anstoß daran, dass hier die Kippa in der Öffentlichkeit getragen wurde, obwohl sie eigentlich nur in die Synagoge gehört. Man könnte hier also bestenfalls lernen, es mit der politischen Korrektheit den Adressaten ohnehin nie völlig recht machen zu können. Dem steht jedoch die deutsche Gründlichkeit im Wege, die auf Teufel komm raus den nächsten Versuch dann eben anders gestalten wird, vielleicht mit neutraler Kopfbedeckung  -  oder den Einspruch einfach verdrängt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

So darf es freilich auch nicht sein, dass Flüchtlinge die Fahne mit dem Davidsstern verbrennen, gut gemeint, zweifellos, und doch auf der Basis einer absurden Staatsdoktrin: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Nimm unsere Gastfreundschaft, das Geld, die Wohnungen, die Mädels, aber verhalte dich im übrigen genauso politisch korrekt wie die deutschen Gutmenschen-Masochisten. Das konnte ja nicht gut gehen. Nachdem vor der israelischen Botschaft von einem Ausländer eine Davidsfahne verbrannt worden war, weil Präsident Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte, telefonierte unser Steinmeierchen mit seinem israelischen Amtskollegen und bat um Vergebung. Und das ganze oben geschilderte Theater über 70 Jahre nach Kriegsende. Kein anderes Staatsoberhaupt hätte eine solche Geste für nötig gehalten. Wird in Berlin ein Jude angepöbelt, kommt dies sogleich bundesweit in die Medien. Als vor ca. zehn Jahren in Sevilla eine Spanierin von einem Afrikaner vergewaltigt worden war, wurde erst mal eine Woche lang in den Straßen Sevillas  -  nicht etwa demonstriert, sondern es wurde Jagd auf jeden gemacht, der irgendwie ausländisch aussah. Eine Woche lang. In Deutschland, jedenfalls in Berlin und im Rheinland, sicher aber auch in Hamburg und anderswo ist es bereits nicht mehr erlaubt, einen Ausländer als Ausländer zu bezeichnen, schon gar nicht Vergewaltiger und Mörder.

Ich sage schon seit Jahren, dass die Französische Revolution in einem Punkt ihrer drei Forderungen in Deutschland erfolgreicher war als in Frankreich daelbst, in puncto Gleichheit. Mit Freiheit hatten wir ja noch nie viel am Hut, das bisschen erkämpfte bürgerliche Freiheit wird täglich durch den digitalen Ausbau des Überwachungsstaates mehr und mehr unterminiert, die Meinungsfreiheit von den politisch korrekten Gutmenschen beschnitten; Brüderlichkeit manifestierte sich dann, wenn es nahezu aussichtslos war wie in den 50er Jahren, als man für die "Brüder und Schwestern" in der Zone nicht viel mehr tat als abends Kerzen ins Fenster zu stellen. Nur in der Gleichheit, da wollen wir uns von niemandem übertreffen lassen. Das principium individuationis hatte es schon immer schwer hierzulande, deshalb gibt es auch so wenige Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, im Film, in den Medien, in der Politik, auf allen Ebenen.

Deshalb sind wir im Sport gerade in den Mannschaftssportarten wie Fußball und Mannschaftsrudern Weltspitze. Ich bin nicht der Erste, dem dies auffällt, aber es gehört in diesen Kontext. Nehmen wir mal den ehemaligen Weltklassesportler Bodo Illgner, in seiner Eigenschaft als Torwart für deutsche Verhältnisse schon Individualist. Ein Journalist forschte während Illgners Hoch-Zeit bei ihm mal nach Ecken und Kanten, hatte er vielleicht ein verwegenes Poster zuhause hängen wie einst Paul Breitner das Mao-Bildnis? Nein, die Suche verlief ergebnislos, und Illgner nahm es meinem Kollegen auch nicht übel:"Ich bin einfach nur der gute Torwart."
Ist das nicht rührend? Nichts gegen Herrn Illgner und seine tollen sportlichen Leistungen, Leute wie er trugen dazu bei, das Ausland daran zu erinnern, dass es auch ein Deutschalnd NACH 45 gibt (in ausländischen Medien kommt es kaum vor, der bekannteste Deutsche im Ausland ist und bleibt Hitler, ein gebürtiger Österreicher), allein schon daher brauchten und brauchen wir Leute wie Bodo Illgner. Was keinen Widerspruch zur allgemeinen politisch korrekten Gehirnwäsche in den heutigen Pisa- und Post-Pisa-Köpfen der Deutschen, wo nicht viel mehr als heiße Luft wabert, bedeutet.










Bodo Illgner: "Ich bin einfach nur der gute Torwart."




Und daher nach wie vor keine Obergrenze für Flüchtlinge, und jeder zweite Hartz-4-Empfänger ist Ausländer und lebt vom deutschen Steuerzahler. Wie sagte einst Henry Ford: "Wenn die Leute wüssten, wie unsere Wirtschaft funktioniert, hätten wie Revolution, und zwar morgen früh." Womöglich würde sich dann doch noch selbst in diesem unserem Land, das keine positive Identität mehr fühlt (außer bei gewonnenen Fußball-Länderspielen) etwas regen, weil es dann um den eigenen Geldbeutel ginge.
Polen nimmt nach wie vor keine Flüchtlinge auf, dafür wird in Medien wie Radio Maryja offen gegen Juden und Ausländer gehetzt. Hierzulande könnte ein solcher Sender gar nicht auf Sendung gehen oder würde sofort verboten. Nein, man hätte in Genf sagen müssen, okay, in Deutschland gibt es hier und da unangenehme Dinge, aber was beim Kapitel Menschenrechte geleistet wird, daran denken andere Staaten nicht einmal im Traum. Ein Regierungsvertreter, der nicht in diesem Sinn argumen-tiert, gehört aus dem Amt gejagt, und zwar ohne Pensionsanspruch, der deutsche Steuerzahler wird schon genügend zur Kasse gebeten. (ama)