Mittwoch, 2. Januar 2019

Louis Reloaded



DVD-Tipp


  Am 25. Januar kommt, wenn es keine Verzögerung gibt, ein alter Film mit Louis de Funes auf den Markt. Er ist von 1954, hieß in unseren Kinos Papa, Mama, meine Frau und ich, eine wörtliche Übersetzung des Originaltitels, und wurde nun zwecks besserer Vermarktung umgetauft in Louis der Schnatterkopf. Die DVD bietet die englische und die französische Synchro, die französische Originalfassung fehlt, was bei einem Preis von über 20 € etwas enttäuscht.

  Wie die Fans wissen, war der Künstler damals noch lange kein Star, tritt also nur in einer Nebenrolle auf, wird aber natürlich auf dem Cover herausgestellt, siehe links. Kennt man ja von vielen Heinz-Erhardt-Filmen, aber längst nicht nur. Ich hatte meinen diesbezüglichen Kulturschock als Kind im Kino bei Herzogs Fitz- carraldo, wo auf den Plakaten Claudia Cardinales Name gleich groß neben dem Kinskis gedruckt stand, ins- gesamt, ist sie aber im Film nicht viel länger als fünf Minuten am Anfang zu sehen, und dann ganz am Schluß nochmals ein paar Sekunden, als sie dem im Triumph heimkehrenden Helden zuwinkt. So ein Betrug, dachte ich damals, zumal ein langweiliger Eierkopf-Film als großer Abenteuer vermarktet wurde.Den Vogel hat man allerdings in Südamerika in den 60er Jahren abge- schossen, als dort Die größte Geschichte aller Zeiten über das Leben Jesu anlief, gepriesen als "der neueste John-Wayne-Film". Im Film hat Wayne nur einen Satz, er ist der Soldat, der auf Golgatha die Worte "Wahrlich, dieser Mann war Gottes Sohn" spricht. (fb)






ab 17. Januar im Kino: Maria Stuart und Elisabeth I.



Regisseurin Josie Rourke mit Margot Robbie (Mitte) als Elisabeth






Es heissst immer, wie lebten nicht mehr im Zeitalter der Nationalstaaten. Die Engländer aber drehen lieber zum x-ten Mal einen Film über Maria Stuart als beispielsweise über unsere Luise von Preußen, die auf der Insel wohl eh niemand kennt. Dabei war auch Luise schon zweimal ein dankbarer Film- stoff, freilich in deutschen Filmen. Maria bzw. Mary  wird nun von einer gewissen Saoirse Ronan verkörpert, Elisabeth von der zuletzt in I, Tonya brillierenden Australierin Margot Robbie. Regisseurin Josie Rourke leitet in Londoin ein Theater, die Glückliche.

Maria Stuart, Königin von Schottland lautet der Titel des neuen Werks. Im wahren Leben sind die beiden machtbewußten Frauen einander nie begegnet, aber das sah schon Schiller in seinem Bühnendrama nicht so eng. Deutscher Kinostart ist am 17. Januar, unsere Kritik schon Mitte nächster Woche im neuen Heft. (ama)



Freitag, 7. Dezember 2018

nach längerer Pause ..... immer Ärger mit Antje Krumm























Liebe Leser,

nun ist bereits genau ein Monat seit dem letzten Mal vergangen. Öfter wäre schöner gewesen, aber es gab mehrere Gründe.

Erstens gibt es einen Rechtsstreit zwischen Frau Antje Krumm vom Pressedienst Interface und uns. Frau Krumm hat mir vor einigen Monaten den Zutritt zu einer Pressevorführung verweigert mit der originellen Begründung, es sei keine öffentliche Veranstaltung, als ob ich das nicht wüsste. Wir haben in Köln die gewohnheitsrechtliche Regelung, dass Journalisten auch dann an einer PV teil- nehmen dürfen, wenn sie nicht eingeladen sind, quasi als Belohnung für dier Mühe, überhaupt zum Kino zu gehen und keine Raubkopien im Internet zu konsultieren.

Dieses Gewohnheitsrecht wird mir nun verweigert, obwohl ich einen Presseausweis habe, während andere Amateur-Blogger dasselbe Gewohnheitsrecht in Anspruch nehmen dürfen. Zudem hatte Frau Krumm im Rahmen eines eMail-Verteilers, der an alle wichtigen Filmleute in Köln geht, geschrieben, mit mir sei keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich. Hintergrund war eine unbedachte Äußerung meinerseits, für die ich mich in diesem Verteilerforum längst ausführlich entschuldigt hatte.Das ist Rufmord. Ich habe die Angelegenheit meinem Rechtsanwalt übergeben.

Frau Krumm meint nun wohl, besonders geschickt zu verfahren, indem sie mir über eine Mitarbeiterin Einladungen zu uninteressanten Filmen zusenden lässt. Somit kann ich nicht behasupten, sie würde mich vollkommen in meiner beruflichen Arbeit behindern, aber es ist schlimm genug und ich lasse mir nichts gefallen.

Zweitens kommen manche der neuen wichtigen Filme gar nicht mehr nach Köln. Die Verleiher bzw. Pressedienste behaupteten vor einigen Jahren, die Kölner würden die Filme doch nur schlechtreden und verreißen, was heute jedenfalls nicht mehr stimmt. Das zweite Argument lautet, es gäbe in Köln keine bundesweite Filmpresse. Das trifft zu, seitdem Steadycam aufgegeben hat, mit Ausnahme von uns halt; nur konnten wir in den letzten zwei Jahren aus Kostengründen leider keine Auflage im Voraus drucken und die Printausgabe lediglich als Book-On-Demand anbieten.
2019 soll es wieder ein richtiges Heft mit fester Auflage geben. Die Nachfrage ist da, gerade auch bei Sammlern, weil wir nie eine große Auflage hatten, allerdings mit ISBN-Nummer. Das Film Mäg kann über den Buchhandel bestellt werden, hatte aber aufgrund seiner Auflage immer schon Selten- heitswert. Die Hefte Nummer 1 bis 4 von 2008-2009 sind heute nicht mehr unter 40 Euro pro Stück zu haben.

Die Pressedienste übersehen indes die bundesweiten Radio- und Fernsehsender in Köln. Der Deustchlandfunk beispielsweise bringt in jeder Mittwochsausgabe des Kulturtmagazins Corso Filmkritiken. Deren Qualität ist freilich unterschiedlich, Rüdiger Suchsland, der auch im WDR zu Wort kommt, nenne ich nur noch Rüdiger Nichtfindsland.

Dies sind also zwei Gründe, weshalb es vorläufig nicht mehr so viele Filmkritiken geben wird: das unverständliche Verhalten von Frau Krumm sowie die Geringschätzung der Rezensionen in Funk und Fernsehen.bei den Verleihern bzw. den von ihnen beauftragten Pressediensten. Ich besuchte meine erste PV 1982, noch als Hospitant, und bin nun trotzdem dank Frau Krumm eigentlich gezwungen, bei den Pressediensten für jeden Film um Einladungen zu antichambrieren, obwohl ich Herausgeber der einzigen Filmzeitschrift in der Film- und Fernsehstadt Köln bin. Das ist unfair, meist auch einfach zu zeitraubend und bringt kaum Geld.

Und warum tut man sich das trotzdem an? Ganz einfach, aus Liebe zum Kino, und aus Verant- wortung Ihnen gegenüber, liebe Leser. Die Lücken werden nun künftig mit noch mehr Beiträgen zur Filmgeschichte und zu speziellen Fragen des heutigen Film- und Medienbetriebs gefüllt.

Die Welt ist eben ungerecht. Nehmen wir den Blick nach vorn.

Mit Grüßen aus Köln

Dr. Frank Blum






Neu: das Heft zum Wissenschaftsjahr 2018 


Kurz vor Jahresende können wir doch noch eine Ausgabe zum offiziellen Wisenschaftsjahr 20128 anbieten, natürlich zum Thema Filmwissenschaft. In mehreren Texten widmen wir uns dem Kino in Forschung und Lehre, vergleichen Theorien und die Arbeitsweise von Instituten in Deutschland, Österreich, Frankreich, England und den USA.
Bestellbar als PDF und Print-On-demand.








Mittwoch, 7. November 2018

Ab morgen im Kino





Der neue Astronautenfilm geht etwas zu sehr in Richtung Schulfunk und ist vor allem was für die Ryan Gosling-Besessenen. Interessantester Neustart diese Woche wird eine russisch-französische Koproduktion, Leto. Spielt im Leningrad der frühen 90er, als die Musik von David Bowie noch unter gefährlichen Umwegen ins Land geschmuggelt wurde. Wenigstens ungefähr erhält man eine Ahnung davon, wie es damals war. Kommunistische Welten, finanziert wie üblich nicht mit dem eigenen, hier vor allem mit französischem Geld.

Den größten Bogen sollte man um Whatever Happens Next machen, natürlich ist der Blindgänger wieder mal ein deutscher - ein 43jähriger Mann steigt aus, verläßt Frau und Arbeit, aber wen juckt das? Regisseur Julian Pörksen sollte sich lieber auf seinen eigentlichen Beruf als Dramaturg beim Kölner Schauspiel konzentrieren, das ist nämlich ganz was anderes; auch dass Herr Pörksen schon ein paar Kurzfilme verbrochen hat, macht den langen nicht besser. Mehr zu allen Filmen im nächsten heft. (ama)



Disney übernimmt Fox

Das US-Kartellamt hat seine Zustimmung erteilt, sofern Disney europäische Tochterunternehmen verkauft. Dann darf der ursprünglich nur für antiseptisch cleane Unterhaltung zuständige Disney-Konzern das ähnlich traditionsreiche ehemalige Major Studio 21st Century Fox übernehmen. Soll man das begrüßen? Nein, natürlich nicht, die Konzentration in der Branche ist schon schlimm genug. Disney hat einmal, um nur ein Beispiel zu nennen, Lucasfilm von George Lucas gekauft. Einst waren übrigens Fox (damals noch 20th Century Fox) und Disney bekannt für ihren Status, so ziemlich die einzigen großen Studios ohne mosaischen Einfluß zu sein, doch das ist über ein halbes Jahrhundert her. Und schon in den 30er Jahren musste Walt Disney sich dafür rechtfertigen, als einziger Produ- zent Leni Riefenstahl bei ihrem Hollywood-Besuch empfangen zu haben.





Dienstag, 23. Oktober 2018

Im Kino: Doku und Comedy




Rätsel












Welcher Regisseur hat einen Namen wie ein Revolver?

Auflösung wie immer am Postende.





Johnny English, eine Parodie auf James Bond, war einmal ein neues Rollenimage für Rowan Atkinson, lang ist´s her. Nun hat er nochmals einen Auftritt in Johnny English - Man lebt nur dreimal. Es wäre besser gewesen, er hätte Johnny Johnny sein lassen, muss man leider sagen; die Gags sind alt und recht einfallslos, und da, wo man etwas draus hätte machen können, vor allem bei der Chaos-Tour des Helden mit der Cyberbrille, macht man es nicht, aus Emma Thompsons Auftritt als Premierministerin ebenfalls nicht, ihre Szenen wirken wie an einem Tag heruntergekurbelt. Leider also nur etwas für große Atkinson-Fans, für die meisten anderen ist und bleibt Atkinson einfach Mister Bean.

Waldheims Walzer ist eine österreichische Dokumentation über die Kandidatur des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim für das Amt des alpinen Bundespräsidenten, als Student in Wien erlebte ich damals den Wahlkampf und die Kritik des Auslands hautnah mit. Der Jüdische Weltkongress warf Waldheim vor, im Krieg als Wehrmachtsoffizier an Kriegsverbrechen mitgeweirkt zu haben. Die insgesamt recht hölzerne Doku vermittelt ein halbwegs realistisches Bild, auch von der Trotzreaktion der Österreicher, die Waldheim ja schließlich doch wählten. Aber warum muss Regisseurin Ruth Beckermann den Kommentar auch noch mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Wiener Dialekt selber sprechen? Meint sie, es würde dadurch authentischer? Dies hätte man wie so oft einem Schauspieler überlassen sollen. Ausführliche Kritik im Heft.




High Art

In der Londonder Tate Gallery werden seit kurzem die Kandidaten für den diesjährigen Turner-Preis ausgestellt. Bemerkenswert: zum ersten Mal gibt es weder Gemälde oder sonstige Hochkulturbilder oder Skulpturen zu sehen, sondern nur bewegte Bilder  -  Tate Goes Cinema. Großteils digital, jedoch eben nur großteils, das ist das Angenehme. Der in London lebende Neuseeländer Luke Willis Thompson (Thompson ist heute der Name des Tages!)  dreht seine Filme sogar, man glaubt es kaum, ganz traditionell auf 35 Millimeter. Wer in London richtigen FILM sehen will, geht also nicht ins normale Kino, sondern in die Galerie, an manchen Tagen auch ins British Film Institute.




Des Rätsels Lösung:

















Tod Browning.
















Samstag, 8. September 2018

Demnächst im Kino: Bowling against Donald - Michael Moore und Asterix




                                                                      "Die Zereinigten Staaten von Amerika"
                                                                                            (Erich Fried)


Als Michael Moore vor über zehn Jahren seinen kritischen Film über Präsident Bush jr. drehte, ahnte er wohl nicht, dass es mit einem seiner Nachfolger noch schlimmer kommen sollte. Gestern hatte Fahrenheit 11/9 beim Festival in Toronto Premiere, der Titel meint den Tag  anno 2016, an dem Donald Trump gewählt wurde (nicht mit absoluter Mehrheit der Stimmen, nur beinahe, aber das US-Wahlsystem ist eben anders).
Nachdem Moore bereits damals einen kritischen Film über Trump und dessen Wahlkampf gedreht hatte, Michael Moore in TrumpLand, folgt nun das wohl unvermeidliche zweite Anti-Donald-Epos, denn TrumpLand ist keine Verheißung mehr, kein surreales Märchen wie Lewis Carrolls Alice im Wunderland, es wurde raue Wirklichkeit.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert Moore heute allerdings auch mit dem Satz "Unser System war schon kaputt, bevor Trump auftauchte." Die Kluft zwischen Demokratischer Partei und Republikanern brachte Amerika bereits unter Obama an den Rand einer Staatskrise, meilenweit entfernt von unserer bundesdeutschen "Solidarität der Demokraten", von wegen, eher Apartheid der Demokraten: es gibt spezielle Kindergärten für die Kinder von Republikanern und spezielle Kindergärten für Demokraten-Kinder, das ist kein Witz.

Moore versteht sich selbst als Journalist. Mit Kino-Dokumentarfilmen wie Bowling for Columbine entwickelte er einen sehr persönlichen Stil des glaubwürdigen Dokutainment. Anders als in früheren Werken stellt Moore sich aber im neuen Fahrenheit-Film nicht mehr selbst als Moderator in den Mittelpunkt, kommt kaum oder gar nicht ins Bild und beschränkt sich auf Off-Kommentar, was jene, die Fahrenheit bisher sehen konnten, angenehm positiv fanden. Der deutsche Verleihtitel soll Celsius 09.11 heißen, das Datum des Kinostarts ist noch offen, irgendwann zum Jahresende geht es los.














Bowling for Melania  -  ein Film über die First Lady wäre mal ganz was anderes. Das Bild stammt natürlich aus ihrer Zeit als Model. (Bild Archiv)







Im kommenden Jahr werden sich nicht nur die Kindergärten freuen, wenn ein neuer Asterix-Film anläuft, Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks. Dessen Starttermin steht fest: 14. März 2019. Es könnte der letzte mit Gerard Depardieu als Obelix werden, seit einem Vergewaltigungsvorwurf droht ihm Kittchen. Oder war es nur eine fantasiebegabte Denunziantin, die in die Medien wollte? Sie wäre nicht die Erste. Man wird sehen. (fb)








Donnerstag, 6. September 2018

Horst, du bist der Größte!




Zielscheibe der politisch korrekten Gehirnwäsche nicht erst seit heute: Bundesinnenminister Seehofer


Seine Kritiker haben noch nie selber an einer Demonstration teilgenommen, sonst wüssten sie nämlich so wie ich aus eigener Erfahrung, dass bei Teilnehmern mehrerer Gruppen eine räumliche Nähe während des Zuges zu Fuß mitunter gar nicht verhindert werden kann. Als ich einst an einer Demo gegen die Beteiligung Deutschlands am Irakkrieg teilnahm, musste auch ich gewisse linke Verbände in meiner entfernteren Umgebung, die ich ablehnte und die mir zum Teil verhasst waren, Kommunisten und Anarchisten zum Beispiel, hinnehmen. Seitdem sich die Medien von der Totali-tarismustheorie verabschiedet haben, ist dies jedoch wurscht, die Linke ist in diesem unserem Land grundsätzlich immer salonfähig, selbst bei Gewaltbereitschaft.

Und nun sagt Horst Seehofer, er wäre, wenn er nicht gerade das Ministeramt innehätte, in Chemnitz auch gern mitmarschiert, hätte sich aber freilich um räumliche Distanz zu den Rechtsradikalen be-müht. Er hätte also genau das getan, was zahlreiche normale Bürger, die in Chemnitz ebenfalls auf der Straße waren, tatsächlich taten. Und nun wird mit echt deutscher Gründlichkeit mal wieder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: die politisch korrekten Gutmenschen verweisen darauf, dass Seehofer an einem Trauermarsch, einer Demo whatever teilnehmen wollte, bei der auch Nazis anwesend waren.

Chemnitz war aber nicht Bad Harzburg, genauer gesagt keine neue Harzburger Front (was Sahra Wagenknecht mit "Aufstehen" anzuleiern versucht, ist eine Art Harzburger Front von links). Chemnitz war endlich einmal eine Gelegenheit für die Bürger, ihrem Unmut und Ärger Luft zu machen, aus der allgemeinen Überfremdung resultierend, wenn sie zum Beispiel im Bus oder in der U-Bahn bisweilen fast nur noch Leute mit Migrationshintergrund antreffen und überhaupt kein Deutsch mehr ge- sprochen wird  -  und im deutschen Film gibt es gleichfalls immer weniger Deutsche, vor und hinter der Kamera. Leider wurde Chemnitz von den Rechtsradikalen instrumentalisiert, und genau darauf stürzten sich notabene die (Lügen-)Medien, denn zum Hitlergruß erhobene Arme bringen mehr Quote, mehr Leser, mehr Geld als der Anblick von Otto und Ottilie Normalverbraucher. Das Wort Überfremdung wurde freilich schon vor Jahren zum Unwort des Jahres erklärt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.



Das Traurige in Deutschland ist weniger der nach wie vor marginale Rechtsradikalismus als die Vorhersehbarkeit öffentlicher und medialer Reaktionen. Es war klar, dass die Medien beim eigentlichen Anlass fast nur vom Tod eines Mannes, bestenfalls noch mit Altersangabe, sprachen, und nicht davon, dass es ein Deutscher war, obwohl er "politisch korrekte" kubanische Wurzeln hatte  -  und dass die Täter Ausländer waren, oder wenn doch, dann nur möglicherweise, als gelte es, Heerscharen messerwetzender Rassisten nicht noch weiter anzustacheln, diese Heerscharen gibt es nicht. Die AfD wurde übrigens auch von manchen unserer jüdischen Mitbürger gewählt, in der Hoffnung, dass diese Partei endlich etwas gegen weitere muslimische Zuwanderung unternimmt.

Vor einigen Jahren wurde in Malaga eine junge Spanierin von einem Marokkaner vergewaltigt, da- raufhin machten die Spanier erst mal eine Woche lang in den Straßen Malagas Jagd auf jeden, der irgendwie afrikanisch aussah. Die deutschen Medien berichteten so gut wie nichts. Mit der Bun- destagswahl und mit Chemnitz ist Deutschland in der europäischen Normalität angekommen.

Nochmals zurück zum Minister: Weniger glücklich, weil allzu leicht missverständlich ist Seehofers Formulierung, die Zuwanderung sei "die Mutter aller Probleme". Richtiger ist wohl genau genommen, dass sie neue Probleme schaffte und bestehende wie Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot verschärfte. Und es kommt, wie es kommen muss in diesem Gehirnwäscheland: Seehofer selbst wurde heute von der Opposition als Faschist diffamiert, dagegen könnte und sollte er gerichtlich vorgehen. Horst Seehofer ist der lebende Beweis dafür, dass es keine freie Meinungsäußerung mehr gibt. Wir wünschen ihm, dass er durchhält, die wie beim Pawlowschen Hund unvermeidlichen Rücktritts- forderungen ignoriert und dass die CSU bei der Landtagswahl für ihren Mut zur Wahrheit nicht bestraft wird. (fb)


Freitag, 17. August 2018

Gesichter, die uns auffielen: Sasha Grey






Multimediakünstlerin wäre wohl die treffendste Berufsbezeichnung der jungen Dame. Sowohl in Filmen der besonders deftigen Art als auch in Mainstreamwerken, in mindestens einer Fernseh-Soap und in Musikvideos trat sie auf. Steven Soderbergh gab ihr sogar mal eine zentrale Kinohauptrolle, in Girlfriend Experience; außerdem war sie kurzzeitig Mitglied einer "richtigen" Künstlergruppe, schrieb 2013 einen Roman, Die Juliette Society etc. etc.
Von der Handlung her müsste das Buch wohl eigentlich Die Justine Society heißen, und wäre er von einem Mann geschrieben worden, hätte man ihn automatisch frauenfeindlich genannt. Die Zeit schrieb damals, der Roman sei "Punst", ein sich besonders schick dünkendes Crossover aus Por- nografie und Kunst  -  als ob das ein Widerspruch wäre. Dass dem nicht so ist, hat sich 50 Jahre nach Susan Sontags Essays noch immer nicht gänzlich herumgesprochen, nicht mal bis zur Zeit.

Welche Werke dieses Multitalents wird man in hundert Jahren noch rezipieren? Auf jeden Fall die Pornos, logisch, sofern sie gescheit gelagert oder umkopiert wurden, nur Fans großer Busen werden einen Bogen machen. Das aber war gerade eines ihrer Merkmale, ihre Natürlichkeit: sie machte eben keinen Silikonzirkus und war nicht gepierct oder tätowiert. Ihr Typ war damals so erfolgreich, dass mit Sasha Rose gleich noch ein zweiter, ähnlich jungmädchenhafter Pornostar aufgebaut wurde (Frau Rose hat  dann vor einiger Zeit doch nachgeholfen und die Brust vergrößern lassen, es sieht auch richtig künstlich aus). Der Soderberghfilm und der Roman mögen Geschmackssache sein. Es wäre schön, mal wieder was von Sasha Grey zu hören, die Amerikanerin macht seit längerem eine schöpferische Pause. (fb)


Sasha in Steven Soderberghs Girlfriend Experience




A Bigger Slash? Suspiria-Aufguss




"Es gibt Klassiker, die man nicht ungestraft neu verfilmt." (Hellmuth Karasek)


Am 1. September soll die 2. Version von Dario Argentos Horrorfilm Suspiria bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere haben. Strenggenommen ist es die dritte, vor zehn Jahren entstand eine deutsche Hommage unter dem Titel Masks mit ähnlicher Handlung, Regie Andreas Marschall, in der die Heldin nicht in eine Ballett-, sondern Schauspielschule gerät (ich organisierte damals die Kölner Erst- aufführung). Dieser deutsche Film kam mit wenigen Effekten, die wahrhaft Splatter waren, aus, der neue offenbar nicht. Ich weiß noch gar nicht, ob ich ihn mir überhaupt ansehen möchte, das schon bekannte Bild- und Szenenmaterial ist mir einfach zu ekelhaft.

Positiv freilich, dass auf klassischem teuren 35mm-Material gedreht wurde, Tarantino ist also doch nicht der Einzige, dem dies noch finanziert wird, höchst erfreulich. Hier ist es Luca Guadagnino, der mit A Bigger Splash bereits ein erfolgreiches Remake des alten Swimmingpool mit Romy Schneider gestaltete. Ein Minuspunkt: in der Hauptrolle bestätigt Dakota Johnson mal wieder, ganz wie die Mutter, die unseligen Erbhof-Mechanismen im angelsächsischen und internationalen Film (sie ist Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson). 
Und zum x-ten Mal ist Deutschland Schauplatz eines Horror-Szenarios, von Adolf bis Argento. Ge- dreht hat man hier freilich nur kurz, um die eigenen Leute möglichst lange zu beschäftigen, und ge-zwungenermaßen wegen der Fördergelder. Argento-Fan Tarantino mag den neuen Film angeblich, aber auch Meister können mal irren. Kritik folgt, wahrscheinlich von einem Kollegen. (fb)






Sonntag, 12. August 2018

Rätsel





Wurde in der Pariser Cinémathèque Francaise schon mal ein Pornofilm gezeigt?
Antwort wie immer am Postende.




Heinz Erhardt: unbekannter Nachlass entdeckt



Ein Konvolut mit Texten und Kompositionen des jungen  Heinz Erhardt aus den 20er und 30er Jahren, dass jahrelang auf dem Dachboden seines Hamburger Hauses lag und nach dem Verkauf des Hauses in ein Musikarchiv kam, ist nun wiederentdeckt worden.
Die unbekannten Werke kommen nun zu späten Ehren. Am 24. Oktober soll eine CD mit Ein- spielungen der NDR Bigband, Axel Prahl, W.W. Möhring und andere erscheinen erscheinen.

Mit seinem literarischen Werk war Erhardt beinahe einzigartig. Wie außer ihm nur noch Karl Valentin beherrschte er die Kunst der humorvoll-hintersinnigen Wortparaphrasen (die oft ver- wendete Bezeichnung "Wortverdrehung" wird dem Autor nicht gerecht). Scheinbar nur von charmantem Mutterwitz geprägt und ohne "Anspruch" im prätentiösen Sinne, bewiesen Erhardts Texte, Prosa und Gedichte, mitunter durchaus eine zu seinen Lebzeiten nicht erkannte intellektuelle Größe. (fb)




Stimmen, die uns auffielen
Traum-Django und Traum-Schwiegersohn: Robert Young


Seine wichtigste Rolle, filmhistorisch betrachtet jedenfalls, hatte er in einem Hitchcockfilm, in einer ernsten Rolle. Mir wie so vielen anderen meiner Generation wurde er zunächst als Hauptdarsteller in der Vorabendserie Dr. med. Marcus Welby bekannt, als man noch nicht permanent mit Arzt-Soaps zugemüllt wurde. Die Rolle passte ebenso zu ihm wie der Nachkriegsserienhit Vater ist der Beste, wo er einen Familienvater wie aus dem Bilderbuch verkörpern durfte, kaum streng und eher gutherzig-wohlwollend, denn Young war äußerlich das Gegenteil des He-Man, des Machos; in jungen Jahren erschien er auf der Leinwand als netter Sonnyboy und wie der brave ideale Schwiegersohn.

Anders hingegen seine Stimme. Man könnte meinen, dass sie eigentlich nicht zu ihm passte; ich traute meinen Ohren nicht, als ich erstmals seinen O-Ton in einer TV-Originalfassung hörte: tief, sonor und männlich bis der Arzt kommt; er hätte Bogart, Gable oder andere Machos problemlos syn- chronisieren und in Hörspielen Mike Hammer oder Django sprechen können. Freilich "passte" die Stimme trotzdem, sie wirkt wenn man so will auch als Ergänzung zu seinem "Softie"-Äußeren. Nur ist die Erwartungshaltung eine ganz andere, wenn man den Schauspieler nur aus Synchronfassungen oder von Bildern her kennt. Vermutlich haben sich viele englischsprachige Männer von Alaska bis Sydney damals eine Stimme gewünscht wie die von Robert Young.
Der gebürtige Chikagoer starb 1998 im Alter von 91 Jahren, was dafür spricht, dass der Künstler ähnlich solide lebte wie er in seinen Rollen wirkte  -  er war jedoch trotz seines beruflichen Erfolges Alkoholiker geworden und unternahm 1991 einen Selbstmordversuch. Alkoholismus war im 20. Jahrhundert die klassische Berufskrankheit der Schauspieler. (fb)




Rätsel-Lösung


Ja, spätestens 1999 im Rahmen der "Nuit du sexe folle" (Nacht des verrückten Sexes).







Donnerstag, 2. August 2018

Ratschlag für Filmbuchleser: Doku einer Star Trek Tagung






Demnächst erscheint ein Buch für alle "Trekkies" und sonstige Interessierte, die sich mit philoso- phischen Hintergründen zur Science Fiction befassen wollen. 2016 befasste sich in Nürnberg eine Tagung mit der Frage, inwieweit die Serie Star Trek, uns Älteren zunächst mal noch immer in Deutsch als Raumschiff Enterprise ein Begriff, wirklich eine Positive Utopie ist und wie unser heutiger Blick auf die von Ur-Autor und Produzent Gene Roddenberry entworfene Vision persönlicher Freiheit in der Welt der Zukunft sein soll. Veranstalter war der Humanistische Verband Bayern.

Das von Michael C. Bauer herausgegebene Taschenbuch bietet den Wortlaut der Redebeiträge. Erfreulich, wenn hierzulande auch die fiktive Kunst in den Massenmedien und die Science Fiction so langsam vom wissenschaftlichen Diskurs ernst genommen werden, wenngleich vielerorts noch immer gönnerhaft von oben belächelt. Nichts gegen Kongresse über Uwe Johnson oder Hans Henny Jahnn, aber deren Werke liest kein Mensch, leider. Bei Star Trek hingegen das umgekehrte Phänomen, eine nicht tot zu kriegende Vermarktungsorgie fast wie bei Star Wars, gottlob nur fast.


Typisch amerikanisch und wirklich "Faszinierend", wie Mister Spock sagen würde, ist die Besonderheit, dass Roddenberry kein weltfremder Theoretiker war und auch nicht so wirkte, eher wie ein munterer vertrauenswürdiger Kumpel, dem man den berühmten Gebrauchtwagen abkaufen würde und der dennoch genau wusste, was er wollte und mit beiden Beinen mitten im Leben stand: im Krieg Bomberpilot, später dann Arbeit bei der Polizei von Los Angeles, wobei er bereits das Schreiben üben durfte, nämlich als Ghostwriter für seinen Vorgesetzten.
Den späteren Erfolg beim Fernsehen musste sich Roddenberry hart erarbeiten, er fiel nicht vom Himmel. Fantasie und Intelligenz waren das eine, Durchsetzungsvermögen das andere.

Positive Utopien wurden signifikant für die voller Optimismus und Fortschrittsglauben strotzenden 50er und 60er Jahre, Roddenberry zeigte aber auch, dass der Weg hin zu einer besseren Welt ein steiniger sein würde. Später hat er dann die weltweiter Krisen seit Mitte der 70er Jahre noch erlebt.




Wir konnten das Buch noch nicht lesen, für orthodoxe Fans aber dürfte es wohl Pflicht sein. Als Erscheinungstermin ist der 2. September vorgesehen, Preis 19,99 €; für ein Taschenbuch schon etwas teuer.